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„All the Broken Things“ von Kathryn Kuitenbrouwer

Lisa Februar 4, 2018

Zum Inhalt

In All the Broken Things erzählt Kuitenbrouwer die Geschichte des 14-jährigen Bo, der mit zehn Jahren seine Heimat Vietnam verlässt, um in Kanada ein besseres Leben zu haben. Seine Mutter leidet an den Folgen von Agent Orange, einer Chemikalie, die von den USA im Vietnamkrieg eingesetzt wurde und die für den Tod von Bos Vater, sowie die schwere Behinderung von Bos Schwester Orange verantwortlich ist. Im Kanada der 80er Jahre versucht Bo zu verstehen, wie diese neue Welt funktioniert und er sucht nach seinem Platz darin.

Meine Meinung

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll vor lauter Begeisterung für diesen fantastischen kanadischen Roman. Die Geschichte spielt Mitte der 80er Jahre in Kanada und auch wenn das noch keine vierzig Jahre her ist, kommt es mir vor wie eine andere Welt. Die Leser erfahren die Geschichte aus Bos Sicht. Das ist eine interessante Perspektive, denn er ist noch jung und in vielen Dingen ist er naiv und erkennt die Zusammenhänge nicht.

Kuitenbrouwer erschafft in All the Broken Things zwei Welten, die sie nach und nach miteinander vermischt.

Bo muss in der Familie schon recht früh Verantwortung übernehmen, da nicht genügend Geld da ist, um alle Ausgaben der Familie zu decken. So gerät Bo an Gerry und der verändert sein Leben maßgeblich. Gerry tritt mit seinem zahmen Bär Loreley auf Jahrmärkten auf und erkennt in Bo ein schlummerndes Show-Wrestling Talent, sodass auch Bo bald in die Welt der Jahrmärkte und „Freak-Shows“ eintaucht.

Viele Elemente dieser Jahrmärkte sind aus heutiger Sicht absolut abstoßend. Einen Bären im Käfig halten und mit Süßigkeiten füttern damit er Tricks macht, ist absolut verwerflich und keine artgerechte Haltung. Moralisch noch fragwürdiger ist es, Menschen mit Behinderungen hinter Glasscheiben zu stecken, damit sich die breite Masse an ihrer Abnormalität erfreuen kann. Kuitenbrouwer spielt genau mit solchen Elementen. Sie nutzt das Verständnis der Leser von Moral und Ethik und verstößt dagegen. Gleichzeitig hebt sie aber auch die Beweggründe und Hintergründe des Handels der Menschen hervor, sodass Amoralität plötzlich vertretbar wird und die Leser zu verstehen beginnen, wieso die Protagonisten so geworden sind.

Die Welt der Jahrmärkte ist magisch und seltsam zugleich. Für Bo wird sie sehr bald ein Zufluchtsort, den er Zuhause so vergeblich sucht. Auf dem Jahrmarkt kann er in eine Rolle schlüpfen und trotzdem er selbst sein. Er genießt das Ringen mit dem Bär mehr als alles andere.

Bos Leben daheim ist geprägt von Rassismus und Scham. Er wird immer wieder zum Opfer für seine Mitschüler. Seine Lehrerin Miss Lily ist eine vertraute Person, die versucht der Familie im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen. Außerdem versucht sie, Bo verständlich zu machen, was auf der Welt geschieht. Sie steht auch für den Kampf gegen die Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt. Früher hat sie bei der Herstellung von Agent Orange geholfen, später protestiert sie dagegen.

Damit ist sie ein Bindeglied zwischen der Welt und Orange. Bos vierjährige Schwester wird auf Grund ihrer Behinderung daheim versteckt. Sie kann sich nicht artikulieren und Bos Mutter schämt sich so sehr für sie, dass Orange das Haus nie verlässt. Erst nach und nach entwickelt Bo das Gefühl, dass es nicht richtig ist, seine Schwester daheim einzusperren, aber Bo schafft es nicht seine Mutter umzustimmen.

In der Mitte des Romans beginnen Bos Welten, sich zu vermischen. Max, der Besitzer des Jahrmarktes beginnt ein Verhältnis mit Bos Mutter und er hat auch ein Auge auf Orange, die er gerne für seine Freak-Show hätte. Bo findet diesen Gedanken abstoßend und er fühlt sich Zuhause zunehmend unwohl.

Später verschwindet Max und Gerry bringt Bo ein Bärenjunges, das dieser aufziehen und trainieren soll. Bo tauft es Bear und die beiden bauen eine ganz besonders zauberhafte Beziehung zueinander auf.

A brown snout poked out the canvas opening, followed by the dumb beady eyes of a bear cub. It wasn’t wary or scared. It hadn’t been on the planet earth log enough to know it should be. Bo thought his heart would thump out of his chest. (S. 151)

Bo trainiert Bear und alles scheint sich zum Guten zu wenden. Er kommt in der Schule besser klar, bekommt die Hauptrolle im Theaterstück und auch seine Beziehung zu Orange wird besser. Er kümmert sich um sie und seine Lehrerin unterstützt die Familie. Doch das Glück währt nicht lange. Denn Max taucht wieder auf und nimmt Rose und Orange mit, sodass Bo und Bear sich verstecken müssen.

Bo macht einen andauernden Entwicklungsprozess durch. Zu Beginn trägt er die Verantwortung für sich, aber prügelt sich vor allem mit seinem Klassenkamerad Ernie, um Dampf abzulassen. Später erzieht er Bear und kümmert sich um seine Schwester, für die er mehr und mehr die Verantwortung übernimmt. Außerdem ist er sehr reflektiert und begreift am Ende, dass er viele Dinge nicht verstanden hatte und anders hätte machen können.

Mein Fazit

Kuitenbrouwers Roman ist faszinierend und bewegend. Sie nimmt historische Begebenheiten als Grundlage ihres Werks und das Ergebnis ist eine schockierend reale Erzählung aus dem Leben, die vor dem inneren Auge Gestalt annimmt. Man kann sich der Magie beim Lesen nicht entziehen und deshalb empfehle ich das Buch auf jeden Fall weiter.

All the Broken Things | Kathryn Kuitenbrouwer | Random House Canada | 327 Seiten | 14.01.2014 | 12,99$ (CAN) | ebook

 

 

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