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Rezensionen

„Reise in die Vergangenheit“ von Stefan Zweig

Lisa Februar 10, 2018

Ich habe endlich mal ein Buch von Stefan Zweig gelesen. Ein Freund aus Frankreich liegt mir schon dauernd damit in den Ohren, wie toll er ihn findet und wie fantastisch der Schreibstil doch sei. Also habe ich mir selbst ein Bild gemacht und teile hier mit dir meinen Leseeindruck.

Zum Inhalt

Bildquelle: grasset

Ludwig verliebt sich in eine verheiratete Frau. Doch ein Auftrag bringt ihn nach Südamerika. Die beiden schwören sich, es danach miteinander zu versuchen. Doch der Krieg kommt den beiden dazwischen und so sehen sie sich erst neun Jahre später wieder. Nichts ist mehr wie es war und doch ist es als wäre er nie weg gewesen.

Meine Meinung

Mit der kurzen Geschichte begibt man sich auf eine kleine Zeitreise. Stefan Zweig ist ein Meister des Beschreibens und Ausschmückens. Die Handlung ist wirklich eher nebensächlich, teilweise sogar nicht so recht vorhanden. Es ist sehr faszinierend, wie Zweig dem Leser Einblicke in die Psyche seiner Protagonisten gewährt. Mit seinen Worten schafft er ein detailliertes Bild der Gedanken und Gefühle der Personen.

Etwas sicher Sanftes, Beruhigendes und heiter Selbstbewußtes ging von diesem Antlitz aus, Klarheit strahlte hier von reiner Stirn, die, noch jugendlich blank, beinahe vorzeitig den ernsten Scheitel der Matrone trug, ein dunkel geschichtetes Haar mit tiefen Wellen niederwölbend, indes vom Hals her ein gleich dunkles Kleid die fülligen Schultern umschloss. (S.113)

Zweig befasst sich in dieser Erzählung mit der Vergangenheit und wie sie Menschen auf besondere Weise prägen kann. Du kennst das sicher auch, wenn du alte Freunde wieder triffst und sich dein Verhalten sofort anpasst und du dich direkt in die damalige Zeit zurückversetzt fühlst. Genauso ergeht es Ludwig. Zweig beweist nicht nur seine Schreibkünste, er muss auch über eine sehr gute Beobachtungsgabe verfügt haben, um so lebensnah zu schreiben.

Es ist also ein wirklich fabelhaft geschriebenes Buch mit viel Gefühl. Der Fokus liegt auf Ludwig und wie er sich mit der Zeit verändert.

Warum es mich trotzdem nicht vom Hocker haut

All das, was ich oben geschrieben habe, stimmt. Trotzdem bin ich bisher nicht zum großen Zweig-Fan geworden. Die Beschreibungen sind sehr detailliert und lassen kaum Platz für Handlung, die es in der Erzählung kaum gibt. Man muss sich aber vor Augen halten, dass das auch nicht Zweigs Anspruch war, dennoch ist das ein Grund, aus dem ich das Buch nicht zu meinen Lieblingsbüchern zählen werde. Außerdem konnte ich mit vielen Gefühlen, die Ludwig hegt, nicht so viel anfangen, stattdessen erscheinen sie mir ziemlich dramatisch dargestellt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Roman einer anderern Epoche entspringt. Bei der Kürze der Geschichte – weniger als hundert Seiten – hatte ich nicht genug Zeit, um mich hineinzufinden.

Nicht er hatte sie an sich gerissen und nicht sie ihn, sie waren ineinandergefahren, wie von einem Sturm zusammengerissen, miteinander, ineinander stürzend in ein bodenloses Unbewußtes, in das hinabzusinken eine süße und zugleich brennende Ohnmacht war – ein zu lang aufgestautes Gefühl entlud sich, vom Magnet des Zufalls gezündet, in einer einzigen Sekunde. (S.127f)

Manch einer findet es sicher sehr romantisch – auf mich hatte es diesen Effekt nicht. Ich finde es eher etwas übertrieben. Dennoch ist unbestreitbar, dass Stefan Zweig mit Worten umgehen kann und Gefühlen sehr bildlich wiedergibt.

Empfehlung

Stefan Zweig ist definitiv ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur. Die Erzählung ist kurz und liest sich schnell. Ich bin froh, dass ich das als Einstieg in Zweigs Literatur gewählt habe und denke, dass es sich auch gut für dich eignet, wenn du dich mal an einem Klassiker der historischen Literatur versuchen möchtest.

le voyage dans le passé (Zweisprachige Augabe) | Stefan Zweig | grasset | 2008 | 172 Seiten | 11,20€ (FR) | Taschenbuch

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