Katrine Engbergs Thrillerserie um Jeppe und Anette, die sympathischen Kopenhagener Ermittler, geht in eine neue Runde. Nach Krokodilwächter, das letztes Jahr erschienen ist, kommt nun Blutmond und natürlich konnte ich mir das nicht entgehen lassen.

„Hilfe!“ Er flüsterte das Wort so heiser, dass es beinahe im Stöhnen ihres Kunden unterging, doch wenn es ein Wort gab, das sie in allen Sprachen und Lautstärken verstand, dann dieses.

S. 10

Anette und Jeppe müssen zu einem neuen Fall. Ein berühmter Modeguru wurde auf besonders abscheuliche Weise ermordet: Sein Rachen und Mund wurden mit einer Flüssigkeit verätzt. Gemeinsam beginnt das dynamische Duo die Ermittlungen. Doch die zwischenmenschlichen Beziehungen liegen ein wenig anders als beim letzten Mal.

Jeppe und Anettes Entwicklung

Jeppe scheint die Tristesse des ersten Bandes hinter sich gelassen zu haben. Nachdem die Trennung von seiner Frau ihn in Krokodilwächter noch sehr mitgenommen hat, ist er in Blutmond besserer Dinge. Er hat eine junge Freundin, verkauft das Haus und blickt nach vorn. Das gibt ihm auch bei der Arbeit viel Energie und es belebt seine Ermittlungen.

Anette dagegen war im letzten Band eine Art Fels in der Brandung. Sie ist taff und kraftvoll und scheint sich von nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Damit ist es in Blutmond allerdings vorbei. Ihre Gesundheit macht ihr zu schaffen, der hohe Blutdruck beunruhigt sie. Aber sie ist noch nicht bereit, ihre Angst mit anderen zu teilen.

Mehrere Spuren

Wie auch schon im ersten Teil gibt es einige vielversprechende Spuren. Für mich war relativ bald klar, bei welcher Spur wir den Täter aufspüren würden, allerdings war mir bis zuletzt rätselhaft wer das Verbrechen nun verübt hat. Verdächtige gab es genug und irgendwie erschienen mir alle recht plausibel. Katrine Engberg hat ein fantastisches Talent, Mordfälle verworren darzustellen, sodass man als Leser_in gemeinsam mit den Ermittlern im Dunkeln tappt.

Rückkehr zweier Bekannter

Ein besonderes Highlight in Blutmond war die Rückkehr zweier Bekannter aus Krokodilwächter. Esther de Laurenti und Gregers sind nämlich auch wieder dabei. Die beiden wohnten im ersten Band in dem Haus, in dem der Mord geschah und hatten Verbindung zu den Opfern. In Blutmond sind sie umgezogen. Sie wohnen jetzt zusammen und Esther hält Kontakt zu Jeppe. So erfährt sie auch von den Ermittlungen und kommt auf eine ganz eigene Spur, die Jeppe widerwillig nachverfolgt.

Die Rückkehr von Esther und Gregers war eine sehr angenehme Überraschung für mich. Da sie ja im ersten Band nicht Teil des Ermittlerteams, sondern Teil des konkreten Falls waren, hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir sie in Blutmond wiedersehen würden.

Kopenhagen-Spannung zum Miträtseln

Katrine Engbergs Thriller sind genial. Sie sind spannend, verworren und wirken gleichzeitig nicht an den Haaren herbeigezogen. Stattdessen sind sie durch die Vielzahl an Spuren und Personen sehr facettenreich und sorgen für fantastische Unterhaltung. Katrine Engbergs schöner Schreibstil und ihre kreativen Metaphern runden das Leseerlebnis ab.

Blutmond von Katrine Engberg
Good to know:

Blutmond lässt sich auch ohne Krokodilwächter lesen, aber man verpasst auf jeden Fall einen sehr guten ersten Band. Wenn du mehr über Krokodilwächter erfahren möchtest, kannst du gerne meine Rezension lesen.

Blutmond | Katrine Engberg | Diogenes | 2019 | 480 Seiten | 24,00€ (D) | übersetzt von Ulrich Sonnenberg

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