Der Auftakt der Spiegelreisende-Saga hat mich sehr neugierig gemacht. Schon während meines Auslandssemesters in Frankreich sind mir Christelles Dabos Bücher häufig begegnet. Da sie Französin ist, überrascht das natürlich nicht. Aber ein Buch, dass in Frankreich so gut ankommt, kann doch sicher auch uns Deutsche begeistern, oder? Ich hab es für euch gelesen und hier erfahrt ihr meine Meinung zu Die Verlobten des Winters.

Auf ins Abenteuer

Ophelia lebt mit ihrer Familie auf Anima. Ihre Familie ist groß und sie arbeiten alle sehr eng zusammen und jedes Mitglied muss etwas zur Gemeinschaft beitragen. Ophelia führt ein kleines Museum, denn sie ist eine Leserin. Wenn sie Gegenstände berührt, offenbart sich ihr dessen Geschichte und die Geschichte der Personen, die ihn zuvor berührten. Ihre Familie hat jedoch andere Pläne mit ihr: Ophelia soll heiraten und der Auserwählte ist bereits gefunden. Der Adlige Thorn vom Pol soll Ophelia zur Frau nehmen. Obwohl Ophelia ganz und gar nicht einverstanden ist, muss sie Thorn zum Pol folgen, gemeinsam mit ihrer Tante und Anstandsdame Roseline.

Ophelia und Roseline machen sich auf in ein Abenteuer. Ophelia ist unzufrieden und kämpferisch, aber Roseline geht ganz in ihrer Rolle auf, dafür zu sorgen, dass Ophelia sich benimmt und keine Schande über die Famiie bringt. Die Welt, in der Ophelia aufgewachsen ist, ist sehr wundersam. Anima gehört quasi ihrer Familie und alle Mitglieder haben irgendwelche Fähigkeiten, die sie für den Erhalt ihrer Welt nutzen. Außerdem scheinen Möbel und Gebäude eine eigene Seele zu haben. Sie können Gefühlsregungen ausdrücken und Personen willkommenheißen oder abweisen.

Die Verlobten des Winters Buchcover

Der Pol dagegen ist gänzlich anders. Dort ist es eisig kalt und Illusionen verändern die tatsächliche Umgebung, sodass man gar nicht weiß, wie es ursprünglich aussieht. Thorn scheint genau in dieses eisige Umfeld zu passen. Er verhält sich unhöflich, zeigt keinerlei Interesse an Ophelia und ist eher von schroffer Natur.

Familienfehden und eine unabhängige Heldin

Außerdem scheint der Pol im Gegensatz zu Anima ein gefährlicher Ort zu sein. Mehrere Familien leben dort und sie stehen in einer rivalisierenden Beziehung zueinander. Gewalt, Aggression und Heimtücke sind vorherrschend und das ist für Ophelia unbekanntes Terrain. Auch Thorns Familie, seine Stiefmutter Berenilde und seine Großmutter scheinen es nicht immer gut mit Ophelia zu meinen.

Aber Ophelia lässt sich nicht so einfach einschüchtern. Sie denkt gar nicht daran, Thorn einfach so zu heiraten und es ist ausgeschlossen, dass einer der beiden Gefühle für den anderen entwickelt. Stattdessen möchte Ophelia ihre Unabhängigkeit bewahren, koste es was es wolle.

Es kam für sie nicht infrage, allein von Thorn und Berenilde abhängig zu sein. Sie wollte sich eine persönliche Meinung bilden, selbst entscheiden, ein eigenes Leben führen.

S. 261

Noch eine weitere Fähigkeit macht Ophelia zu einer ganz besonderen Person. Sie ist in der Lage durch Spiegel zu reisen. Sie verschwindet in einem und taucht im nächsten wieder auf. Diese kleine Fähigkeit beschert ihr ein paar Möglichkeiten, aber so gerät sie auch in die ein oder andere brenzlige Situation.

Durch Spiegel zu gehen, heißt indessen, sich selbst gegenüberzutreten. Es braucht Mumm, weißt du, dir selbst in die Äuglein zu gucken, dich so zu sehen, wie du bist, in dein eigenes Spiegelbild einzutauchen.

Ophelias Onkel über das Spiegelreisen (S. 87)

Ein wundervoller Jugendroman

Christelle Dabos erzählt eine sehr detailreiche und durchdachte Geschichte. Der Roman ist ein rundes, harmonisches Gesamtbild einer fantastischen Welt, in der nicht alles ist, wie es scheint. Bevor wir Leserinnen und Leser die Welt richtig mit Ophelia erkunden können, wird sie schon in ein ganz neues Gebiet geschickt und dort können wir gemeinsam mit ihr die Eigenheiten entdecken.

Ophelia ist eine starke Protagonistin. Sie ist abenteuerlustig und mutig, gleichzeitig ist sie auch intelligent und schlagfertig. Obwohl es ihr von ihrer und Thorns Familie nicht leicht gemacht wird, verliert sie niemals den Mut. Sie ist eine wahre Heldin, der wir gerne auf ein Abenteuer folgen, und ein tolles Vorbild für junge Mädchen. Ihre Tollpatschigkeit verleiht ihr noch ein paar Sympathiepunkte, sowie auch ihre Ansichten zu den antiquierten Vorstellungen, die am Pol herrschen.

Im Moment sperrte man sie noch ein, um sie zu beschützen, doch eines Tages würde der sichere Käfig zum Gefängnis werden. Eine ins Haus verbannte Frau, deren einzige Bestimmung es war, ihrem Mann Kinder zu gebären – das würde man aus ihr machen, wenn sie ihre Zukunft nicht sofort selbst in die Hand nahm.

S. 165

Und das macht Ophelia dann einfach – sie nimmt ihre Zukunft selbst in die Hand und erobert das Leser_innen-Herz.

Christelle Dabos ist dieser Auftakt sehr gut gelungen. Die fantastische Welt wird liebevoll beschrieben und jedes Detail ergänzt den Roman zu einem schlüssigen Gesamtbild eines wundervollen Jugendromans. Es gibt sie also noch, die verzaubernden Jugendbücher, wie Harry Potter und Tintenherz, die uns auf ein großes Abenteuer einladen. Besonders toll ist natürlich Ophelia, die mit Mut und Klugheit überzeugt und ein tolles weibliches Vorbild abgibt. Auch wenn die Zielgruppe junge Leserinnen und Leser sind, ist es auch für Erwachsene ein sehr lesenswerter Roman.


Interessante Fakten

Schon im Sommer wird der zweite Band der Spiegelreisende-Saga Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast erscheinen und es wird insgesamt vier Bände geben.

Um das Leseerlebnis zu vervollständigen könnt ihr auf der Website der Spigelreisende-Saga zahlreiche Zusatzfakten zu den Büchern und zu der Autorin Christelle Dabos erfahren.

Die Verlobten des Winters | Christelle Dabos | Insel Verlag | 2019 | 535 Seiten | übersetzt von Amelie Thoma | 18,00€ (D) | Hardcover

9 Comments

  1. Guten Abend Lisa,

    mir hat die Spiegelreisende #1 auch ausgesprochen gut gefallen und ich freue mich jetzt sehr auf den nächsten Band. Ich häte auf der Seite der Saga aber noch nicht auf die anderen Teile klicken sollen, ich habe mich leider ein bisschen gespoilert :/
    Naja. Ist jetzt so.

    Viele liebe Grüße
    Chrissi

    • Lisa Reply

      Ach Mensch! So Spoiler sind wirklich ärgerlich!! Ist mir auch schon so oft passiert, kommt man leider nicht immer drumherum. Aber es wird sicher noch ein paar Überraschungsmomente geben. Auch wenn man sich ärgert, lohnt sich das Lesen ja meist trotzdem noch 🙂
      Liebe Grüße

  2. Liebe Lisa,

    Auf das Buch war ich schon sehr neugierig, deswegen freue ich mich umso mehr, dass du es gelesen und rezensiert hast. Ich finde, dass die Welt sehr spannend klingt und werde das Buch nun definitiv auf meine Leseliste setzen. Fantasy, die mal nicht aus Amerika kommt, sollte definitiv gefördert werden und der Vergleich mit Tintenherz macht mich sehr neugierig.

    Alles Liebe
    Friederike.

    • Lisa Reply

      Liebe Friederike,

      Ich denke auch, dass es toll ist, Fantasy aus anderen Ländern zu unterstützen! Gerade aus Frankreich kenne ich jetzt ehrlich gesagt, keine anderen Fantasybücher. Ich warte jetzt schon mal sehnsüchtig auf Band zwei 😀

      Liebe Grüße.

  3. Pingback: Die Verlobten des Winters von Christell Dabos (Spiegelreisende Band 1) | Lovely Mix

    • Lisa Reply

      Gerne! 🙂 Die Reihe ist wirklich toll, ich lese aber eigentlich auch sonst ganz gerne Buchreihen.
      Liebe Grüße!

  4. Liebe Lisa,
    ein toller Beitrag! Ich freue mich auch sehr über die Rezension, da du ja schon öfter gesagt hast, dass dir der Roman gut gefällt. Ich warte nun auch sehnsüchtig auf meine Ausgabe des Buches 🙂
    Alles Liebe
    Janika

    • Lisa Reply

      Liebe Janika,

      ich bin ganz gespannt, was du zu dem Buch sagst. Ich freue mich schon auf deine Meinung dazu 🙂
      Und natürlich wünsche ich ganz viel Spaß beim Lesen!
      Liebe Grüße 🙂

Write A Comment

%d Bloggern gefällt das: