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„Elefant“ von Martin Suter

Irgendwie bin ich mit guten Büchern meistens spät dran – so auch mit Elefant von Martin Suter. Erst als ich es vor einer Woche zufällig unter den verfügbaren Titeln der Onleihe entdeckte, hab ich zugeschlagen und es direkt mit Begeisterung gelesen.

Ein Kinderspielzeug. Ein Elefäntchen, rosarot, wie ein Marzipanschweinchen, aber intensiver. Und es leuchtete wie ein rosarotes Glühwürmchen.

Genau darum geht es in Elefant. Mithilfe der Gentechnik ist es nämlich gelungen, einen kleinen, rosaroten Elefanten zu zeugen. Und der hält gleich mehrere Forscher, Ärzte, Obdachlose und Burmesen auf Trapp.

Bildquelle: Diogenes

Der Erzählstil von Martin Suter ist interessant. Es beginnt mit dem Obdachlosen Schoch, der den kleinen rosa Elefanten in seinem Unterschlupf findet und von da an geht es vor und zurück in der Zeit und springt umher zwischen den unterschiedlichsten Personen und Orten, um am Ende eine vollständig erzählte Geschichte zu erschaffen.

Jede Person bekommt einen eigenen Hintergrund und eine eigene Motivation und obwohl es nicht chronologisch erzählt ist, bleibt Martin Suter bei einem einfachen Schreibstil mit kurzen und prägnanten Sätzen, die in der Regel keiner Ausschmückung bedürfen und trotzdem mitreißend sind.

Der Roman Elefant zeigt sehr eindrücklich, wie ein kleines vermeintliches Wunder (der Gentechnik) das Leben von so vielen Menschen auf den Kopf stellen kann. Bei den einen wendet es sich zum besseren, bei den anderen sorgt es für viel Frust. Gleichzeitig widmet Suter sich auch eingänglich dem kontroversen Thema Gentechnik. Die Gentechnik und die Rücksichtslosigkeit des Forschers Dr. Roux, der nur am „Objekt Minielefant“ interessiert ist, machen deutlich, dass Martin Suter die Gentechnik sehr kritisch betrachtet.

Mir hat besonders gut die Bedeutung von Zufall in Elefant gefallen. Die Tierärztin Valerie Sommer und Schoch unterhalten sich an einer Stelle über Vorsehung und Zufall. Wie auch immer man es nennen mag: Der Roman Elefant zeigt, dass schon kleine Begebenheiten, das Leben für immer verändern können.

Das wird auch immer wieder durch die „Randständigen“ deutlich gemacht. Martin Suter zeigt, dass jeder Obdachlose eine Geschichte hat, die ihn auf die Straße gebracht hat und er skizziert, wie so ein Leben auf der Straße aussehen kann. Überhaupt schafft Suter es, jeder Handlung im Roman einen Sinn zu geben. Wir Leser kennen die Motivation, die hinter den Taten der Protagonisten stecken und es bleibt uns überlassen, sie zu bewerten.

Martin Suter beweist auch einiges an trockenem Humor, der mir sehr gut gefällt und mich häufiger Schmunzeln ließ. Besonders komisch ist die Kombination aus dem aufgebrachten und stinkwütenden Dr. Roux, den man um sein Forschungsergebnis gebracht hat und dem Chinesen Tseng, der nach dem Motto Play it safe immer die Ruhe behält.

Insgesamt ist der Roman eine sehr gelungene Geschichte über die Wichtigkeit einen Sinn im Leben zu sehen und wie der Zufall Menschen zusammenbringen kann. Man darf es durchaus auch als Hinweis verstehen, die eigenen Vorurteile mal herunterzuschlucken und hinter die Fassade der Mitmenschen zu blicken. Eine klare Leseempfehlung!

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Hallo Lisa!

Um das Buch bzw. generell um Suter schleiche ich schon sehr lange. Ich bin mir nicht sicher, ob der Auto was für mich ist. Die Zeitsprünge klingen sehr anstrengend und sowas mag ich eigentlich nicht. Gentechnik, Zufall und der Sinn im Leben klingen jedoch noch einer sehr spannenden Mischung.

Liebe Grüße
Sabrina
#litnetzwerk

Hi Lisa,
bei mir dauert es auch oft länger, bis ich dazu komme, die viel gelobten Bücher zu lesen. „Elefant“ wartet leider immer noch auf meiner Wunschliste. Von Suter habe ich bisher noch kein Buch gelesen, bin aber letzte Woche auf ein Mängelexemplar von „Montecristo“ gestoßen und habe es direkt mal mitgenommen. Ich denke, wenn es vom Stil her ähnlich ist wie „Elefant“, wird es mir gefallen.
Liebe Grüße
Anka

Hast du schon andere Romane von Martin Suter gelesen? „Der Koch“ ist großartig. Damit hat Herr Suter vor 2 Jahren angefangen sich in mein Leserherz zu mausern.
Ich mag seine Vielseitigkeit sehr, er schreibt ja von Kurzanekdoten (Business Class) über Krimikomödien (Allmen) auch Thriller (Monte Cristo). Und wie du oben schon angemerkt hast, er redet nicht lange um den heißen Brei herum und hat trotzdem einen sehr einnehmenden Schreibstill.

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