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„Frankfurter Schattenjagd“ von Dieter Aurass

Heute stelle ich dir die Frankfurt-Krimireihe von Dieter Aurass vor, die ich schon seit dem Debüt-Krimi Frankfurter Kaddisch verfolge. Mit Frankfurter Schattenjagd veröffentlicht Aurass bereits den dritten Kriminalroman im Gmeiner-Verlag, der mir freundlicherweise dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Ursprünglich hat vor allem Frankfurt als Schauplatz mein Interesse an der Reihe geweckt. Aber schon während des Lesens des ersten Buches habe ich Begeisterung meine für Aurass Schreibstil und seine Charakterentwicklung entdeckt, sodass ich der Reihe bis zu Band drei treu geblieben bin.

Zum Inhalt von Frankfurter Schattenjagd

In diesem „Was-wäre-wenn“-Krimi beschreibt Dieter Aurass eine mögliche Welt, wenn nach Tschernobyl noch viele andere Atomkraftwerke im Osten der Welt explodiert wären und so ein großer Flüchtlingsstrom in den Westen entstanden wäre. Ein internationales Ermittlerteam hat deshalb vermehrt mit Banden-Kriminalität verschiedener Länder zu kämpfen. Der deutsch-chinesische Kommissar Xaver Xiang ermittelt mit seinem Team in einer mysteriösen Mordserie, bei der die Opfer übel zugerichtet werden.

Gemächlich schlenderte ich auf die beiden zu. „Und, wo liegt die Leiche?“, richtete ich meine Frage an  Boris. „Von da hinten bis dort drüben“, meinte er lakonisch und deutete mit der Hand einen Bereich an, den ich auf mindestens 200 Meter schätzte.

Einfallsreiche Grundidee

Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden spielt Frankfurter Schattenjagd nicht in der Realität wie wir sie kennen, sondern in einer möglichen Alternative, wenn 1986 einiges etwas anders gelaufen wäre und sich Tschernobyl zu einer weltweiten Katastrophe ausgeweitet hätte. Aurass hat sich dazu viele Gedaken gemacht, die am Ende des Romans auch nochmal erläutert werden. Mir hat besonders die subtile Einführung verschiedener Elemente gefallen. Aurass Protagonist Xaver, sowie auch die anderen Teammitglieder beschreiben nach und nach die Welt, in der sie nun leben. Deshalb ist vieles am Anfang noch sehr mysteriös und unklar und erst mit der Zeit setzen sich die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen.

Als „NEO-Mix“ bezeichnete man Menschen, deren Eltern zwei verschiedenen nicht-europäischen Ethnien zugehörten, und als „Ethno-Mix“ die zunehmende Anzahl von Menschen, deren einer Elternteil aus Europa stammte und deren anderer Elternteil im Rahmen des Exodus nach der Kettenreaktion nach Europa gekommen war.

Ein neues Team

Ich war am Anfang etwas wehmütig, da mir das Ermittlerteam aus den ersten beiden Teilen so gut gefallen hat und ich auch gerne noch mehr von ihnen gelesen hätte. Ich konnte mich aber auch sehr schnell mit Xaver und seinem Team anfreunden. Es gefällt mir sehr gut, dass die Protagonisten alle so unterschiedlich sind. Es gibt die etwas beleibtere Französin, die ein wenig in den Chef verschossen ist; Sabina, die eine schwierige Vergangenheit hat und noch einige andere, die Dieter Aurass sehr detailliert beschreibt. Zuweilen liest man auch Kapitel aus ihrer Perspektive, was mir ein sehr gutes Gefühl für die unterschiedlichen Personen gegeben hat.

Lisa mit Frankfurter Schattenjagd und Frankfurter Kaddisch in der Hand

Der Kriminalfall

Was wäre ein Krimi ohne eine spannende Ermittlung? Der Anfang hat mir sehr gut gefallen, da Aurass direkt mit einer Leiche einsteigt. Zu Beginn ist alles noch etwas undurchsichtig, aber so nach und nach bekommt man mehr Informationen. Die Ermittlungsarbeit fand ich spannend zu lesen, da man viele verschiedene Verdächtige präsentiert bekommt und auch immer wieder neue Opfer auftauchen. Ich fand es allerdings etwas schade, dass es dabei um Bandenkriminalität ging, da hier die Suche nach dem Motiv irgendwie wenig aufregend war. Es ging sehr viel um Rache und irgendwie gab es fast nur „Bösewichte“, die zudem noch ein wenig überzeichnet wirkten.

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Kein gutes Ende?

Das Ende konnte mich leider nicht zufriedenstellen. Die Ermittler hatten zuletzt wenig Kontrolle über die Situation und waren selbst viel mehr Zuschauer des Geschehens. Außerdem fand ich das Ende sehr vorhersehbar und es fehlte mir das große Überraschungsmoment, das ich in den ersten beiden Büchern von Dieter Aurass sehr geschätzt habe.

Mein Fazit

Die Idee des Buches ist super und das Gedankenexperiment, wie diese alternative Welt ausgesehen haben könnte, ist mehr als gelungen. Der Kriminalfall geht spannend los, hat aber dann besonders im großen Finale seine Schwächen. Dennoch hat mich das Buch sehr gut unterhalten, da ich das Team gerne mochte und besonders die Internationalität und die unterschiedlichen Charaktere für Abwechslung sorgen.

Ich würde dir besonders den ersten Band Frankfurter Kaddisch empfehlen, der ein guter Einstieg für Frankfurter Blutspur ist. In meiner Rezension zu Frankfurter Blutspur erfährst du mehr über diesen Teil.

Good to know: Frankfurter Schattenjagd steht in keinem inhaltlichen Zusammenhang zu den anderen beiden Büchern von Dieter Aurass. Deshalb kannst du es getrost lesen, wenn du die anderen nicht kennst.

Frankfurter Schattenjagd | Dieter Aurass | Gmeiner Verlag | April 2018 | 312 Seiten | 12,00€ (D) | Taschenbuch

 

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