Rache kann Menschen kontrollieren, sie zu Dingen verleiten, die sie sonst nie tun würden. Rache ist mächtig. Und genau dieses Motiv verwendet Margaret Atwood in ihrem 2016 erschienenen Roman Hexensaat. Der Roman erschien in der Hogarth Shakespeare-Reihe, in der moderne Autorinnen und Autoren Werke von Shakespeare neu interpretieren. Margaret Atwood widmet sich in Hexensaat dem Shakespeare Stück Der Sturm.

Felix ist ein begnadeter Theatermacher und in der Szene ein Star. Seine Inszenierungen sind herausfordernd, aufregend, legendär. Nun will er Shakespeares „Der Sturm“ auf die Bühne bringen. Das soll ihn noch berühmter machen – und ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen. Doch nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die Gelegenheit kommt zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt.

Margaret Atwood widmet sich in ihren Büchern immer besonderen Themen. So auch in Hexensaat. Ich habe bereits einiges von Shakespeare gelesen und Der Sturm gehört nicht unbedingt zu den bekanntesten Stücken. Um den vollen Umfang der Romanhandlung verstehen zu können, empfehle ich Dir, zuerst die Shakespeare-Vorlage zu lesen. Denn erst dann werden Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten deutlich. Und das macht den Charme des Romans aus. Aber Atwood lässt die Shakespeare-Neulinge nicht im Stich: Für alle, die Der Sturm nicht gelesen haben, steht am Ende des Romans eine Zusammenfassung des Originals.

Hexensaat ist gewissermaßen ein Theaterstück in einem Roman. Nachdem Felix aus seinem Job vertrieben wurde und jahrelang seine Wunden geleckt hat, bekommt er die Gelegenheit wieder als Theaterregisseur zu arbeiten… in einer Haftanstalt. Aber nach der Arbeit mit Schauspielern als ganz große Nummer in der Theaterbranche ist das erstmal eine Umstellung. Er leitet das Programm mehrere Jahre, bevor er schließlich die Chance auf seine langersehnte Rache bekommt.

Atwood beschreibt detailliert die Proben für das Stück und die Häftlinge werden genau vorgestellt. Felix erklärt, welche Rolle zu welchem Häftling passt und wir erfahren dabei viel über Atwoods Interpretation von Der Sturm. Manche Parallelen sind offenkundig, zum Beispiel die Namen der Rollen. Andere sind eher versteckt und wir müssen genau lesen, um sie zu entdecken.

Eine besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Motiv der Rache. In Der Sturm rächt ein Vater die Verbannung seiner Familie auf eine Insel. Seine Freunde haben ihn betrogen. In Hexensaat rächt Felix sich ebenfalls für die Ungerechtigkeiten, die ihm widerfahren sind. Felix ist von der Rache vollkommen eingenommen. Er hat wie ein Einsiedler gelebt und sich auf seinem Elend ausgeruht. Doch nun holt ihn die Vergangenheit ein.

Seit zwölf Jahren sinnt er auf Rache – sie war immer im Hintergrund, stets da wie ein dumpfer Schmerz.

Fazit: Der spannende Roman ist gut geeignet für Atwood-Fans. Ich liebe ihre Bücher und die aktuellen Themen, die sie bespricht. Außerdem schreibt sie so wunderbar, dass ich mir das meiste bildlich vorstellen kann. Genauso ging es mir bei Hexensaat. Dennoch ist es meiner Meinung nach nicht der richtige Einstieg in die Atwoodlektüre. Wenn Du also neu im Atwood-Fanclub bist, empfehle ich Dir ihren Klassiker Der Report der Magd.

In der Hogarth Shakespeare-Reihe sind noch mehr spannende Bücher von tollen Autorinnen und Autoren erschienen. Tina von @kimonobooks stellt Dir die Bücher der Hogarth Shakespeare-Reihe in ihrem Beitrag vor.

Hexensaat | Margaret Atwood | Knaus | 2016 | 314 Seiten | Hardcover | übersetzt von Brigitte Heinrich | zur Verlagsseite

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