Irgendwie abgedreht, spannend aber auch etwas langatmig. So würde ich Annika Scheffels Roman Hier ist es schön beschreiben.

Zum Inhalt von Hier ist es schön

Sam und Irma wurden auserwählt, um den Fortbestand der Menschheit im Weltall zu sichern. Darauf wurden sie zehn Jahre lang vorbereitet. Irma wünscht sich nichts sehnlicher als der langweiligen, zugrundegehenden Welt zu entfliehen und endlich ein Abenteuer zu erleben. Sam kann sich mysteriöserweise nicht an sein Leben erinnern und hat überhaupt keine Vorstellung von der Welt, aber er kennt die Mission und ist ihr verschrieben. Das sollen jedenfalls alle denken. Doch in Wahrheit muss er unbedingt wissen, woher er kommt und was ist mit der seltsamen Insel auf sich hat, von der er angeblich kommt. Diese drängenden Fragen sorgen dafür, dass er kurz vor Start der Mission wegläuft und gemeinsam mit Irma die Welt erkundet.

Grundverschiedene Protagonisten

Einen Teil des Charmes, den das Buch auf mich ausübt, verdankt es der Verschiedenheit der Protagonisten. Irma ist gelangweilt von der Welt, von ihren Eltern, von ihren Freunden. Für sie hat die Erde einfach keine Zukunft mehr und deshalb erscheint es ihr einzig richtig, die Erde verlassen zu wollen. Sam hingegen hat gar keine Erinnerungen an die Welt und als er ihr schließlich ausgesetzt ist, erscheint sie ihm endlos faszinierend. Aufgrund seiner fehlenden Erfahrung ist er sehr naiv und treibt Irma damit in den Wahnsinn. Sie ist vor allem abgeklärt und genervt davon, dass Sams Ausflug sie jetzt in der Mission aufhält. Für mich war Sam eindeutig der Sympathieträger im Roman.

Und so findet man anscheinend, wenn man auf der Erde den Sternen folgt, am Ende doch das Meer.

Hat die Welt (k)eine Zukunft?

Annika Scheffel skizziert einen interessanten Weltentwurf. Die Ressourcen sind größtenteils aufgebraucht und alles muss stark rationiert werden. Es gibt so gut wie keinen Treibstoff mehr, Nahrungsmittel sind knapp und die Weltbevölkerung hat sich bereits dezimiert. Auch wenn wir da die Apokalypse schon vor dem inneren Auge sehen, liefert Scheffel uns verschiedene Betrachtungsweisen. Irma vertritt das Ende der Welt. Für sie lohnt sich das Leben einfach nicht mehr und die logische Konsequenz ist der Versuch, im Weltall für eine neue Bevölkerung zu sorgen. Irmas Eltern und ihr Freund Tom hingegen vertreten eine ganz andere Sicht. Für sie ist das Leben immer noch lebenswert nur unter geänderten Bedingungen. Tom hat zum Beispiel noch ein Kind bekommen und er genießt die kleinen Dinge im Leben. Irmas Eltern freuen sich, wenn sie zum Beispiel die Gelegenheit bekommen, Apfelkuchen zu backen.

Insgesamt wirft Scheffel hier die Frage auf, wofür es sich zu leben lohnt. Brauchen wir den Luxus, den wir mittlerweile gewöhnt sind oder können wir auch mit viel weniger zurecht kommen, wenn die Umstände es verlangen?

Buchcover Hier ist es schön

Briefe an Irma

Gerade den Anfang des Romans fand ich sehr speziell. Die ersten fünfzig Seiten bestehen ausschließlich aus Briefen an Irma von unterschiedlichen Personen. Zu Beginn war das spannend, da man nur nach und nach ein Bild der Situation aufbauen konnte und die Briefe ganz unterschiedliche Sichtweisen wiederspiegeln. Nach dreißig Seiten fand ich es dann aber doch etwas langatmig und habe mir gewünscht, dass die Handlung beginnt.

Der Aufbau des Romans bleibt auch im Weiteren ungewöhnlich. Die Textabschnitte sind abwechselnd fortschreitende Handlung und Rückblicke in Irmas Leben. Dadurch wirkt das Buch sehr kurzweilig und abwechslungsreich.

Mein Fazit

Annika Scheffel hat einen schönen Roman mit interessanter Idee geschrieben. Die Protagonisten sind eigene Persönlichkeiten, die sich im Laufe des Romans weiterentwickeln und die ein weites Spektrum an Weltanschauungen repräsentieren. Dennoch hat ein bisschen die Spannung gefehlt und gerade das Ende hält nicht was der Verlauf des Romans versprochen hat.

Hier ist es schön | Annika Scheffel | Suhrkamp | 2018 | 389 Seiten | 22,00€ (D) | Hardcover

3 Comments

  1. liebe lisa,

    irgendwie konnte ich diesem buch leider nichts abgewinnen. es hat mich von der umsetzung und von der sprache sehr an „die außerirdischen“ von doron rabinovici erinnert, aber irgendwie konnte ich mich mit scheffels roman nicht so richtig „verbinden“. die briefe zu beginn haben mich sehr neugierig gemacht, aber was dann letztendlich daraus geworden ist, hat mich ein wenig enttäuscht.

    liebe grüße

    tina

    • Lisa Reply

      Liebe Tina,
      ich kann deine Meinung da gut verstehen. Die Briefe haben wirklich mehr Spannung erzeugt, als der Roman letztendlich hergegeben hat. „Die Außerirdischen“ kenne ich nicht, aber ich fand die Sprache auch irgendwie etwas merkwürdig. Das schönste Zitat war halt wirklich das, was schon im Klappentext stand. Viel mehr tolle Textstellen hatte das Buch irgendwie nicht.
      Liebe Grüße 🙂

  2. Das Zitat gefällt mir total gut! Ich habe das Buch schon oft gesehen, mich aber bisher nicht näher damit beschäftigt. Vielleicht ändert sich das nun. Danke für die Rezension!

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