Simona Morani, eine sehr sympathische Autorin, deren Bücher ich sehr gern gelesen habe, hat sich bereiterklärt, mir ein kleines Interview für den Blog zu geben. Ich durfte ihr also ein paar Fragen stellen, die mir unter den Nägeln gebrannt haben.

Simona lebt heute in München, doch mit dem Schreiben angefangen hat sie in Italien, wo sie geboren und aufgewachsen ist. Die Liebe zu ihrer Heimat Italien sind in ihren beiden Romanen deutlich spürbar.

Ziemlich alte Helden habe ich vor zwei Jahren gelesen und ich war sofort beeindruckt von der Art, wie einfühlsam Morani hier über das Altwerden schreibt. Auch in Der Waschsalon des Kleinen Glücks, Moranis jüngstem Roman, der letztes Jahr erschienen ist, sind wir wieder in Italien und begegnen der tollen, mutigen Protagonistin Rina.

In deinem Roman „Der Waschsalon des kleinen Glücks“ geht es hauptsächlich um Rina, eine 62-jährige Witwe mit einem Waschsalon. Kannst du Rina allen, die dein Buch noch nicht gelesen haben, kurz beschreiben?

„Rina hat eine vielfältige Persönlichkeit. Sie kommt aus der Provinz und hat eine strenge Erziehung bekommen. Ihre träumerische Seite kann sie wegen Schuld- und Pflichtgefühl nicht richtig ausleben. Sie setzt zu oft die Wünsche der Anderen an erste Stelle und manchmal vergisst auf ihren Herz zu hören. Deswegen bekommt sie mit 62 Jahren das Gefühl, dass sie in der Vergangenheit schlechte Entscheidungen getroffen hat und bereut sie.“

Was fasziniert Rina so sehr an dem um einiges jüngeren Mann, Donato?

„Donato ist für Rina ein Vorbild: Ein junger Mann, der die Provinz verlassen hat um seinen Träumen nachzugehen. Er hat große Ziele und kämpft um sie zu erreichen. Außerdem ist er immer gut drauf, optimistisch, gesprächig, charmant: Das Gegenteil von ihrem verstorbenen dickköpfigen Mann Osvaldo und auch von ihrem Sohn Samuele, der mit 35 seine Lebensziele noch nicht klar hat. Und natürlich ist Donato auch verdammt gut aussehend.“

Rina hat mich sehr berührt, weil sie einerseits sehr einfühlsam ist und genau versteht, wie ihr Umfeld sich fühlt. Sie hat in ihrem Leben viel geopfert, aber mit ihrem Waschsalon auch viel erreicht. Ich kann mir nur wünschen mit 62 Jahren auch noch so cool zu sein, wie sie.

„Ja, Rina hat zwei Seiten: Das Mädchen in ihr ist immer noch romantisch und manchmal fast naiv. Das Leben hat sie aber auf harte Proben gestellt und deshalb kann sie notfalls eine große Stärke zeigen. Zum Beispiel, als sie kurz nach der Hochzeit begreift, dass Osvaldo ihr im Leben eine harte Nuss zum Knacken geben wird, muss sie sich wehren und die Kraft finden, sich für die Erwerbung ihrer eigenen Wäscherei durchzusetzen.“

In diesem Roman, so wie auch in deinem anderen Roman „Ziemlich alte Helden“, beschäftigst du dich viel mit den Gefühlen und Sorgen älterer Menschen. Wie kommt es, dass die Helden deiner Romane alle schon etwas älter sind?

„Ich komme aus dem Dorf, bin Einzelkind und habe viele ältere Verwandten gehabt. Ich bin mit ihnen praktisch aufgewachsen und konnte sie lange beobachten. Ich durfte an ihren Gesprächen in der Bar teilnehmen und habe mich mit ihnen über alle möglichen Themen unterhalten. Ich fand es vorbildlich und bewundernswert, wie einige von ihnen mit Resilienz, eine gewisse „Leichtigkeit“ und eine humorvolle Art, auf Schicksalsschläge reagiert haben. Das wollte ich in „Ziemlich alte Helden“ zeigen.“

„Außerdem, wenn man sehr jung ist und schreiben möchte, kreiert man oft autobiografische Figuren, da man relativ wenige Erfahrungen gesammelt hat (oder sie noch nicht komplett verarbeitet hat). Meine turbulenten Schuljahre und Liebeskummer waren mir zu peinlich um sie jemandem zum Lesen zu geben und ganz ehrlich für die Öffentlichkeit völlig uninteressant. Was meine Großeltern und ihre Bar-Freunden zu sagen hatten, fand ich viel schöner und so habe ich angefangen, ihre Dialoge aufzuschreiben, und einige Szenen zu skizzieren, die ich mit ihnen wirklich erlebt habe.“

Deine Romane spielen beide in italienischen Dörfern, aber seit 2009 lebst du in Deutschland. Könntest du dir deine Protagonisten und die Thematik deiner Romane in einem deutschen Dorf genauso vorstellen?

„Auf jeden Fall kann ich mir eine Story in Deutschland vorstellen! Allerdings nicht im Dorf, weil ich hier nur das Stadt-Leben kenne. Eigentlich arbeite ich schon daran…“

Der Waschsalon des kleinen Glücks Roman Simona Morani

Was vermisst du am meisten an Italien, was man in Deutschland einfach nicht findet?

„Hier muss ich ganz banal antworten: Die Sonne! Ja, es stimmt, hier kann es auch sehr heiß werden und man kann herrliche Nachmittage am See oder an der Isar verbringen. Aber die Temperaturen schwanken oft drastisch im Laufe des Tages und um 8 Uhr morgens kann man nie richtig wissen wie das Wetter am Mittag und Abend sein wird. Was ich noch vermisse, ist die Nähe zum Meer. Ich wohne zwar auf dem Land aber die Adria, die ligurische und toskanische Riviera sind in zwei- und eineinhalb Stunden im Auto zu erreichen.“

„Und noch etwas: Die Leichtigkeit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Im Ausland ist das schwieriger und man sieht zuerst einen komischen „Verwirrungsausdruck“ im Gesicht der Gesprächsperson sobald sie deinen Akzent hört. Aber ich muss sagen, das Leben in München ist sehr schön.“

Kannst du uns schon verraten, worauf wir uns bei deinem dritten Roman freuen dürfen?

„Ich arbeite an zwei tollen Projekte, die hoffentlich in 2020 und 2021 erscheinen werden. Das erste ist eine interkulturelle Liebesgeschichte (siehe Frage 5 :)) und das zweite ist ein Kinderbuch. Die Protagonisten sind in beiden Fällen sehr jung, also… eine ganz neue Erfahrung auch für mich!“ 😀

Vielen Dank liebe Simona, dass du dieses kurze Interview mitgemacht hast. Ich bin schon sehr gespannt auf deine zwei neuen Projekte und freue mich schon, wenn sie dann erscheinen.

In meinen Rezensionen zu Der Waschsalon des kleinen Glücks und Ziemlich alte Helden könnt ihr mehr über Simona Moranis zwei Romane erfahren.

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