Der Sommer kommt, aber bis es so richtig warm wird, müssen wir hier in Deutschland noch ein wenig warten. Wer sich jetzt schon nach sommerlichen Gefühlen sehnt, findet diese in Der Waschsalon des kleinen Glücks von Simona Morani.

Rina sucht das Glück

Rina ist 62, Witwe und führt einen kleinen Waschsalon. Sie musste in ihrem Leben viel aufgeben und hat schon beinahe mit dem Glück abgeschlossen, als Donato in ihren Waschsalon tritt. Der junge, erfolgreiche Mann weckt in Rina die Lust, nochmal ein richtiges Abenteuer zu erleben. Doch nicht alle in ihrem Umfeld haben dafür Verständnis.

Wie auch schon in ihrem ersten Roman Ziemlich alte Helden widmet Simona Morani sich in ihrem neuen Roman auch wieder etwas älteren Protagonisten. Mit ihren 62 Jahren hat Rina zwar ihre Jugend schon länger hinter sich, doch das ändert nichts an ihren jugendlichen Gefühlen und an ihrer Lebenslust. Beides entdeckt sie nach dem Besuch des jungen Donato, für den Rina eine leichte Schwärmerei entwickelt. Simona Morani thematisiert sehr schön die Gefühle der älteren Generation.

Leben in einer alternden Gesellschaft

Damit widmet sie sich auch einem wichtigen Thema unserer Zeit. Die Gesellschaft wird immer älter. Traditionelle Rollen- und Familienbilder haben sich gewandelt. Daher ist es heute nicht mehr ungewöhnlich, auch im höheren Alter noch das Leben zu genießen und einen – wie man so schön sagt – zweiten Frühling zu erleben. Doch nicht bei allen stößt das auf großes Verständnis. Simona Morani zeichnet ein sehr schönes Bild davon, wie schwierig es ist, gleichzeitig Mutter und Witwe zu sein, ohne sich selbst zu verleugnen.

Wenn sie noch so jung wäre wie er… sie verjagte diesen Gedanken. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus: Sie war eine Witwe um die sechzig, die sich höchstens noch auf die Rente freuen konnte.

S. 52

Eine Schwierigkeit für Rina ist es, allen gerecht zu werden. Ihre Schwester findet, sie sollte mehr um ihren verstorbenen Mann trauern, ihr erwachsener Sohn findet sie sollte sich mehr um ihn kümmern. Der Witwer Nello möchte, dass Rina mit ihm zusammenzieht und sich um ihn kümmert. Doch was Rina möchte, hat zunächst keine Relevanz für ihr Umfeld. Für sie ist es dadurch schwer, zu sich selbst zu stehen.

Einfühlsam und bezaubernd

Was mir an Moranis Romanen so gut gefällt, ist die Einfühlsamkeit mit der sie uns die Gefühle der älteren Generation näherbringt. Rina denkt viel zurück, bereut einzelne Entscheidungen und ist eher unglücklich. Donato behandelt sie respektvoll und freundlich, er gibt ihr das Gefühl etwas wert zu sein und die Schwärmerei für ihn gibt ihrem Leben wieder eine prickelnde Note. Ihr Umfeld versucht allerdingt, ihr Schuldgefühle einzureden. Sie vermitteln ihr das Gefühl, dass sie nicht das Recht hat, in ihrem Alter noch Träume und Hoffnungen zu haben.

Roman Simona Morani Der Waschsalon des kleinen Glücks
Simona Moranis Romane Ziemlich alte Helden und Der Waschsalon des kleinen Glücks

Der Roman weckt sommerliche Gefühle und den Wunsch, auch im Alter noch so cool zu sein wie Rina. Der Waschsalon ist ein schnuckeliges Setting und er unterstreicht Rinas Selbstständigkeit. Sie hat es geschafft, diesen Laden selbst zu eröffnen und zu führen. Das ist eine beachtliche Leistung. Simona Morani spricht wichtige Aspekte des Altwerdens an, die uns alle früher oder später mal betreffen werden und ich finde Der Waschsalon des kleinen Glücks trägt dazu bei, ältere Menschen, vielleicht sogar die eigenen Großeltern besser zu verstehen.

Der Waschsalon des kleinen Glücks | Simona Morani | C. Bertelsmann | 2018 | 174 Seiten | 13,00€ (D) | Taschenbuch | aus dem Italienischen von Anja Nattefort

Wenn ihr mehr über Simona Moranis ersten Roman Ziemliche alte Helden wissen möchtet, könnt ihr euch meine Rezension durchlesen.

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