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„Léon und Louise“ von Alex Capus

Léon und Louise ist eine besonders schöne Liebesgeschichte, die ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu Ende gelesen habe. Sie beginnt mit der Beerdigung von Léon Le Gall, führt die Leser dann zurück zum 17-jährigen Léon während des endenden ersten Weltkrieges von wo aus wir das Leben von Léon und seine Beziehung zu Louise mitverfolgen können.

Léon drehte sich um. Was er sah, war eine junge Frau auf einem alten, ziemlich rostigen Herrenfahrrad, die locker aufrecht im Sattel saß und rasch näher kam; das Quietschen wurde offenbar durch das rechte Pedal verursacht, das bei jeder Umdrehung das Blech des Kettenschutzes streifte.

Ich bin ja kein großer Fan von Klappentexten, aber dieser ist dem Hanser-Verlag sehr gut gelungen und er beschreibt alles, was ich an dem Buch liebe:

„Alex Capus erzählt mit wunderbarer Leichtigkeit und großer Intensität von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von einem Paar, das sich auf märchenhafte Weise der Zeit widersetzt, gegen alle Konventionen an dieser Liebe festhält und ein eigensinniges, zuweilen unerhört komisches, zugleich verborgenes und allgemein bekanntes Doppelleben führt. Léon und Louise sind ein unvergessliches Paar unserer Gegenwartsliteratur.“#

Buchrücken mit Titel und Autor von Léon und Louise

Abtauchen in eine andere Zeit

Alex Capus lässt uns eine andere Welt entdecken. Eine Welt, in der ein junger Mann die Schule abbricht, um zu Morsen, obwohl er darin keinerlei Erfahrung hat; der in drei Tagen mit dem Fahrrad an den Ort seines Arbeitseinsatzes fahren muss; der letztlich versehentlich in den Krieg gerät. Ich habe Léons Leben mit Spannung und Neugier verfolgt. Er ist ein aufgeweckter und pflichtbewusster junger Mann und liebt seine Frau und seine Kinder. Louises Vergangenheit ist rätselhaft, aber sie ist jung, ernsthaft und beliebt bei ihren Mitbürgern. Doch auch sie gerät in den Krieg und sie verliert Léon aus den Augen, sodass sie sich Jahre lang nicht sehen und nichts voneinander hören.

Der Zufall

Wie es der Zufall will, treffen die beiden sich später wieder und stellen erneut Kontakt her. Der Zufall ist ein Element, das ich an Büchern besonders gerne mag. Manche mögen es Schicksal oder Vorsehung nennen, für mich ist es der Zufall und der spielt Léon und Louise zumindest einmal in die Karten. Immer wieder wird Léons Leben zufällig in eine andere Richtung gelenkt und das macht für mich auch den Charme des Buches aus. Gleichzeitig meint es der Zufall nicht immer gut mit den beiden und so sehen sie sich immer wieder für längere Zeit nicht.

Mir hat auch sehr gut gefallen, dass in der zweiten Hälfte des Buches viel in Briefform aus Louises Perspektive erzählt wird. Durch die beiden Protagonisten habe ich sehr viel über den Krieg und vor allem den Alltag während des Kriegs gelernt und das fand ich sehr interessant.

Eine besondere Liebe

Léon und Louise lieben sich schon gefühlt seit Ewigkeiten, aber die längeren Trennungen haben dafür gesorgt, dass Léon sein eigenes Leben mit Frau und Kindern hat. Dennoch treffen sich die beiden und ihre Beziehung scheint nie abzureißen, nur vorrübergehend gelegentlich ausgesetzt zu sein.

Der Himmel war weiter, die Luft war frischer, die Zukunft strahlend, und es schien Léon, als sei er zum ersten Mal im Leben richtig wach, als sei er müde zur Welt gekommen und hätte sich sein ganzes bisheriges Leben müde von Tag zu Tag geschleppt bis zu ebendiesem Wochenede, an dem er nun endlich aufgewacht war.

Wenn ihr das Buch lest, empfehle ich euch nach dem Lesen des letzten Kapitels nocheinmal das erste zu lesen. Ich habe das erste Kapitel danach mit einem ganz anderen Gefühl gelesen, weil man nach dem Lesen die Protagonisten besser kennt.

Mein Fazit

Genau wie im Klappentext beschrieben ist diese Liebesgeschichte märchenhaft und hat mich sehr berührt. Die Tiefgründigkeit, mit der Alex Capus die Geschichte erzählt, hat mich mitgerissen und begeistert und Léon und Louise sind eines meiner liebsten literarischen Liebespaare.

Léon und Louise | Alex Capus | Hanser | 2011 | 315 Seiten | 20,00€ | Hardcover

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