Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat im letzten Jahr viel online Resonanz und Support erhalten. Auch in den Buchbloggerinnen-Kreisen waren viele von uns bestürzt, über die Vorkommnisse in den USA. Verstärkt wurden Stimmen laut, die – absolut zu Recht – auch den Umgang mit Rassismus in Deutschland kritisieren. Viele von uns haben sich die Frage gestellt: Was kann ich tun, um die Bewegung zu unterstützen und die Gesellschaft in die richtige Richtung zu lenken?

Ich kann Dir keinen optimalen Weg empfehlen. Ich bin selbst immer wieder mit meinen eigenen Vorurteilen konfrontiert und versuche einen guten Umgang damit zu finden. Aber ich versuche zuzuhören und die Erlebnisse von People of Colour in meinem Gedächtnis zu verankern, sodass ich besser verstehen kann, was mein Verhalten in anderen Menschen auslösen kann.

Das beeinflusst auch die Auswahl meiner Lektüren. Während ich früher recht unkritisch gelesen habe, was mir in die Hände fiel, wähle ich heute für meine Lesezeit bewusst Bücher aus, die mich interessieren. Ich möchte etwas über die Welt und die Menschen lernen, Fremdes entdecken und Bekanntes mit neuen Augen sehen. Als ich den Roman „Nur einmal“ von Kathleen Collins entdeckte, wusste ich sofort, dass das ein echtes literarisches Schmuckstück ist.

Kathleen Collins schenkt uns ihre Geschichten

In der hitzigen Atmosphäre der Bürgerrechtsbewegung ziehen Studenten und Aktivisten durch New York. Schwarze und Weiße, die glauben, dass eine bessere Zukunft möglich ist, wenn man nur bereit ist, sich dafür einzusetzen. Junge schwarze Frauen fahren in den Süden, um gegen die Segregation zu kämpfen, für Gleichheit und Emanzipation. Sie entdecken neue Freiheiten, ihren Vätern gegenüber und ihren Liebhabern. So vieles scheint möglich in diesem Sommer. Alle träumen von einer Welt, in der das Leben nicht entweder schwarz oder weiß ist. Und die Liebe? Kennt sie wirklich keine Farben? Kann sie der Wirklichkeit standhalten?

Dass wir heute Kathleen Collins Erzählband lesen können, ist ein großes Glück. Die US-amerikanische Autorin starb mit 46 Jahren an Krebs und ihre Geschichten blieben weitgehend unentdeckt. Neunzehn Jahre nach Collins Tod öffnete ihre Tochter Nina den Koffer, mit den Schriften ihrer Mutter und sie fand wundervolle literarische Zeugnisse, die heute großen Erfolg haben. 2020 erschienen die Geschichten im Kampa-Verlag.

Ich fing an, abends zwischen sechs und acht über die Brooklyn Bridge zu gehen, und schliff die Kanten meiner Traurigkeit im leuchtenden Sonnenuntergang, ließ sie mit dem Rauschen des Verkehrs, das unter mir wie Brandung auf- und abschwoll, und dem fahlen Glanz der New Yorker Skyline verschmelzen.

Die 60er Jahre in den USA

Kathleen Collins schreibt radikal und schonungslos über das Amerika der 60er Jahre. Sie hinterfragt die gesellschaftlichen Strukturen und sinnt über Rassismus nach. Wie wäre eine Welt ohne Rassismus? Welchen Platz haben schwarze und weiße Menschen in der Gesellschaft? Jahrzehnte nachdem sie diese Gedanken verfasste, hat das Thema Rassismus traurigerweise absolut nichts an Aktualität eingebüßt. Was sagt das über uns aus? Auch deshalb sind Collins Geschichtensammlung in „Nur einmal“ eine Bereicherung für uns.

Die Perspektiven im Roman wechseln schnell und plötzlich. An vielen Stellen dachte ich ich hätte den Faden entgültig verloren, bevor Collins ihn weiterspinnt und mit der restlichen Geschichte verknüpft. Während der gesamten Lesezeit hat mich diese Schreibkunst stets zum Umblättern bewegt. Ich hätte nicht ein einziges Wort davon verpassen wollen.

Fazit

Kathleen Collins Tochter hat uns ein literarisches Geschenk gemacht. „Nur einmal“ ist eine kraftvolle Geschichtensammlung. Collins berichtet von Erfahrungen, die einerseits lange vergangen, aber andererseits bittere Realität sind. Es schmerzt, dass Collins die positive Resonanz auf ihre Geschichten nicht erleben kann. Aber es macht mich auch froh, dass Du und ich die Möglichkeit haben, Collins Geschichten zu lesen und an Andere weiterzutragen. Damit spreche ich eine klare Leseempfehlung aus und hoffe, dass sie bei Dir Gehör findet.

„Nur Einmal“ | Kathleen Collins | Kampa Verlag| 2020 | 192 Seiten| Taschenbuch | übersetzt von Brigitte Jakobeit und Volker Oldenburg | zur Verlagsseite

1 Comment

  1. Liebe Lisa,

    danke für die Vorstellung dieser Sammlung. Wandert direkt mal auf die Wunschliste.

    LG Lisi

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