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„Palace of Fire“ von C.E. Bernard

Das Ende einer Buchreihe ist immer etwas ganz Besonderes. Ich habe schon auf einige Buchenden hingefiebert, war hibbelig und nervös beim Lesen, konnte das Ende kaum abwarten und hoffte gleichzeitig es würde nicht enden.

So ging es mir bei Palace of Fire nicht. Dass die Reihe von C.E. Bernard nicht gerade zu meinen Lieblingsreihen zählt, spiegelte sich schon in meinen Rezensionen zu Palace of Glass und Palace of Silk wider. Dennoch wollte ich nicht bloß 2/3 der Reihe gelesen haben, das ist doch kein Abschluss und so ein Reihenende kann ja auch echt der Hammer sein. Außerdem gefällt mir die Grundidee der Palace of Glass-Reihe sehr gut.

Inhalt der Palace of Glass-Reihe

Die Romanreihe spielt in der Zukunft und meistens in London. In der Bevölkerung gibt es Magdalenen, das sind Menschen, die durch Berührung anderer deren Gedanken lesen bzw. die Gedanken manchmal sogar manipulieren können. Deshalb herrscht in London strenges Berührungsverbot und Magdalenen werden verfolgt, in Geistige Korrektiven gesteckt oder umgebracht.

In dieser Welt lebt Rea, eine junge Magdalena. Durch einen Zufall lernt sie in Palace of Glass den Kronprinzen von England kennen und sie verlieben sich. In Palace of Fire dreht sich dann alles um die große Revolution, die Rea auf die Beine zu stellen versucht, damit sich endlich etwas ändert und die Menschen nicht mehr in ständiger Angst leben müssen.

Wir werden das Banner der Feuerseide hissen, und wir werden nicht weichen, bis das Berührungsverbot aufgehoben, der König abgesetzt wurde und die Gerechtigkeit wieder Einzug hält in diesem Königreich! Wir lassen das nicht zu! (S. 206, ebook)

Gute Idee, schwache Umsetzung

Was mit einer guten Idee beginnt, ist leider nicht immer ganz ausgereift. Es fehlt einfach das Gefühl beim Lesen. C.E. Bernard legt sehr viel wert darauf, Kleidung und Stoffe zu beschreiben. Leider bleiben die Protagonisten dabei ziemlich gesichtslos und häufig haben mich die langen Beschreibungen von Äußerlichkeiten eher gelangweilt. Genauso geht es mir auch mit den Beschreibungen von Gedanken, die meist stofflich und haptisch beschrieben werden, zum Beispiel als Seidenstränge oder Eisblumen. Auch wenn mir die Vorstellung gut gefällt, waren die Beschreibungen häufig endlos und haben gar nichts zur Handlung oder zur besseren Vorstellung der Situation beigetragen.

Kleiner Lichtblick überschattet von Reas entgeistigter Dummheit

Zum Ende vom zweiten Band hegte ich einen regelrechten Hass gegen Robin, den Kronprinzen. Er ist ein verwöhntes Muttersöhnchen und nervte mich in den ersten beiden Teilen ziemlich. Besonders in Ungnade gefallen ist er bei mir dafür, dass er Rea auspeitscht und sich danach weder um sie kümmert, noch sich angemessen entschuldigt, geschweige denn reumütig wirkt… und sie verfällt ihm trotzdem – für mich ein erstes Zeichen, dass in Reas Geist echt nicht alles ganz rund läuft. Vermutlich ist es gerade mein Hass gegen Robin, der dafür gesorgt hat, dass er mich im dritten Teil positiv überrascht hat. Zum Ende der Reihe bekommt Robin endlich Persönlichkeit, versteht was er bisher für ein Idiot war und erhebt sich gegen seinen Vater. Da bin ich echt begeistert. Leider kommt das einfach ziemlich spät…wieso konnte er nicht schon im zweiten Teil liebenswürdig sein?

Auf jede tolle Tat von Robin kommt traurigerweise irgendetwas Dummes von Rea. In Band drei habe ich ein Muster im Buch ausgemacht, was sich ständig wiederholt: Robin macht eine rebellische Aktion im Untergrund – Rea stößt dazu und freut sich total ihn wiederzusehen – Rea geht, weil sie der Meinung ist, dass sie im Palast gebraucht wird, wo sie absolut NICHTS tut. Es kam mir zeitweise so vor, als wollte die Autorin uns auf den Arm nehmen. Rea würde ich wirklich gerne mal unter vier Augen sprechen … Ich hab ihr einiges zu sagen.

Es gab noch weitere Dinge, die mich im dritten Band an Rea stören. Zum Beispiel wird Rea vom ersten Band an von einer Kreatur verfolgt, die sie sich nur einbildet, die aber dennoch Macht über Rea zu haben scheint. In Band zwei findet Rea endlich heraus, woran das liegt und sie bekommt Medikamente dafür. In Palace of Fire hat sie die Medikamente leider nicht mehr und deshalb plagt die Kreatur sie weiterhin. Die Kreatur kommt ganze 290 Mal im Buch vor, obwohl sie eigentlich nur ein einziges Mal wirklich wichtig ist, aber ständig taucht sie irgendwo auf und macht immer das gleiche: Sie winselt, schnüffelt, streicht um Rea herum, schnurrt, wandert, heult, erdrückt Rea, wispert, beißt, flüstert, schnauft und die restlichen Verben erspare ich euch. Sie macht auf jeden Fall nie so richtig was, aber ist trotzdem immer da.

Alles halb so schlimm?

Natürlich ist Rea nicht allein der Grund warum mir das Buch nicht gefällt. Ein weiterer großer Kritikpunkt, der besonders auf den letzten Band zutrifft, ist der verstörende Umgang mit Vergewaltigung und Sex. Überall ist der Hype um das Buch groß und viel zu selten sehe ich Kritik an den Sex-Szenen. Als Autor/in darf man natürlich alles, aber es sollte dem Genre auch angemessen sein und das sehe ich hier bei Palace of Fire echt verfehlt. Schon in Palace of Glass gab es eine Szene die mich stark gestört hat: Als Rea vor dem ganzen Palast ausgezogen wird.

Im finalen Band der Reihe treibt es die Autorin meiner Meinung nach auf die Spitze. Erst gibt es eine super widerliche Szene zwischen dem König und seiner Frau, der genüsslich eine Flasche Wein über ihr ausleert, was auf eklig, sexuelle Art beschrieben wird und dann schmeißt Rea sich mehrmals völlig übertrieben an Nottingham ran und schließlich wird Ninon fast vergewaltigt. Letzteres fand ich besonders schlimm, weil der Umgang damit im Buch voll daneben ist. Rea rettet Ninon, die bereits halb nackt und geknebelt ist. Gemeinsam fliehen sie und Rea erkundigt sich als erstes nach Robin, statt sich um Ninon zu kümmern. Als wäre das nicht schon schrecklich genug, findet Ninon das alles gar nicht so schlimm: „Das ist nur der Schock“. Das alles hat mich beim Lesen mächtig aufgeregt.

Ende gut, alles gut…

Den finalen Todesstoß hat C.E. Bernard ihrer Reihe allerdings mit dem Ende gegeben. Offene Enden sind ja sowieso umstritten, aber dieses Ende ist so offen, dass es sich eigentlich eher anfühlte, als wäre mitten im Buch einfach Schluss. Das Ende lässt mich völlig ratlos und enttäuscht zurück, da es absolut nichts abschließt und gar keine Auflösung bietet. Davon hatte ich mir definitiv mehr versprochen.

Etwas Positives hatte die Buchreihe aber dann doch: Meine Leserunde mit Janika und Katy. Es war richtig klasse, den ganzen Frust über Rea auszutauschen… Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.

Das schöne Beitragsbild hat mir die liebe Janika zur Verfügung gestellt. Ihre Fotos sind immer ganz zauberhaft. Mehr davon seht ihr auf ihrem Instagram-Profil Zeilenwanderer.

 

Palace of Fire | C.E. Bernard | Penhaligon Verlag | 512 Seiten | 23.07.18 | 14€ (D) | Paperback

 

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Katy

Ich kann mich Janika mir anschliessen, und wie du so schön sagtest; geteiltes leid ist halbes leid 😉

Tolle, ehrliche und kritische Rezi <3

Liebe Lisa,
du weißt, ich stehe dem Buch genauso kritisch gegenüber wie du, daher kann ich nichts weiter sagen außer: Deine Rezension trifft den Nagel auf den Kopf. Ich sehe es genau wie du und besonders deine Überschrift »Kleiner Lichtblick überschattet von Reas entgeistigter Dummheit« hat mir richtig gut gefallen.
Ich freue mich schon sehr auf unsere nächsten Leserunden 🙂
Alles Liebe,
Janika

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