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Rezensionen

„Paper Princess“ – Wieso tue ich mir das an?

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Ich lese echt gerne. Aber manchmal zweifle ich an meiner Zurechnungsfähigkeit bei der Buchauswahl. Paper Princess ist so ein Fall.

In den sozialen Medien ist das Buch ziemlich präsent und wird sehr gehyped. Das ist auch der Grund, weshalb ich es mir ausgeliehen habe. Das einzige was ich vorher schnell überprüft habe, war, dass es nicht tatsächlich was mit Monarchie zu tun hat. So was merkwürdiges wie die Royal Passion-Reihe möchte ich nämlich nicht nochmal lesen.

Zum Inhalt

Bildquelle: Piper Verlag

Es geht um Ella, die nach dem Tod ihrer Mutter ganz alleine mit großen Geldsorgen dasteht. Der steinreiche, beste Freund ihres, ebenfalls verstorbenen, Vaters macht sie ausfindig und nimmt sie bei sich auf. Seine fünf Söhne sind davon aber gar nicht begeistert und Ella hat Schwierigkeiten sich an den neuen Lebensstil zu gewöhnen.

Quasi von der Gosse zur reichen Prinzessin.

Meine Meinung

Unterirdisch.

Leider beschreibt dieses Wort ziemlich genau meinen Eindruck nach dem Lesen von Paper Princess.

Die Handlung ist einfach lächerlich. Ella ist 17 und strippt, um über die Runden zu kommen. Als dann Callum Royal (was ist das bitte für ein Name???) auftaucht, ist sie verständlicherweise nicht bereit, direkt mit ihm zu gehen. Das liegt vielleicht auch daran, dass er nicht einfach normal mit ihr redet und es anordnet. Absolut unrealistisch. Außerdem ist sie immerhin schon 17 und da hat man was Vormundschaften angeht schon ein Mitspracherecht.

Weil Callum scheinbar nicht weiß, wie man normal mit Menschen umgeht, greift er zu drastischen Maßnahmen. Er lauert ihr im Strip-Club auf, lässt sie erst mal kurz tanzen – sympathisch dieser fünffache Familienvater – und letztendlich wirft er sie einfach über seine Schulter und nimmt sie mit.

Da die wenigsten positiv auf eine Entführung reagieren, muss Callum wieder kreativ werden, damit Ella auch bei ihm bleibt. Deshalb bietet er ihr jeden Monat 10.000€, wenn sie nicht geht. Okaaay … kann man machen. Wirkt aber nicht sehr realistisch und ist auch objektiv betrachtet kein guter Start, wenn sie Teil der Familie werden soll. Außerdem hat er sie von der Strip-Stange weggeholt und ihr eine Zukunft geboten. Wenn er sich nicht so merkwürdig aufgeführt hätte, wäre sie bestimmt auch ohne 10.000€ Taschengeld geblieben.

Die ganze Ausgangssituation von Paper Princess finde ich absolut unwirklich und das ist sehr schade. Es wirkt alles zu gewollt und zu zusammengedichtet, als dass es mich überzeugen könnte.

Die Wende

Ellas neue Brüder benehmen sich ihr gegenüber absolut dämlich, sexistisch und pervers. Sie sind wirklich die allergrößten Arschlöcher bis… Seite 184. Ungefähr. Irgendwann da passiert es. Und plötzlich ist alles anders. Leider weiß ich nicht wieso. Aber aus den Widerlingen werden Schoßhündchen. Ihr Verhalten vorher und nachher steht einfach in keinem Verhältnis. Danach fand ich das Buch tatsächlich etwas besser, weil sich alle mehr wie normale Menschen benommen haben. Es gibt aber auch noch ein paar grundlegende Probleme, die ich mit der Weltanschauung im Buch habe.

Das Verhalten einer 17-Jährigen

Ella hat sicherlich in ihrem Leben schon mehr durchgemacht als die meisten. Ihren Vater hat sie nicht kennen gelernt. Ihre Mutter hat als Stripperin viele merkwürdigen Typen mit nach Hause gebracht und letztendlich musste Ella mit ansehen, wie ihre Mutter an Krebs stirbt. Dennoch wird auch immer wieder betont, dass sie noch Jungfrau ist und was Sex angeht, keine Erfahrungen hat. Vor diesem Hintergrund kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich an eine Szene auf Seite 153 (Ebook) denke. Ella will sich bei ihrem Stiefbruder Reed rächen und macht ihm vor, sie würde mit ihm schlafen. Stattdessen fesselt sie ihn nackt an einen Stuhl, tatscht ihn ein bisschen an und verschwindet dann. Was zur Hölle soll das denn bitte? Was ist das überhaupt für ein Verhalten und sowie von einer 17-Jährigen. Also das geht für mich echt gar nicht.

Männer als Objekt, Frauen als dumme Dinger

Und das ist der größte und vor allem der vernichtende Kritikpunkt an Paper Princess.

Im ganzen Buch ist Sex ein Bedürfnis, dass man eben hat und das UNBEDINGT gestillt werden will. Deshalb bietet Reed Ella auch an, mit ihr zu schlafen, wenn sie dafür nicht mit seinem Vater ins Bett geht…aha.

Das Hauptmerkmal der Brüder im Roman ist, dass sie gut aussehen. Die Zwillinge schlafen beide mit dem gleichen Mädchen, ohne dass sie das weiß. Das ist Vergewaltigung, aber Ella hält es nicht für nötig, dass Mädel mal aufzuklären.
Sie ist auch viel zu sehr damit beschäftigt, sich über das wichtigste bei einem Mann Gedanken zu machen:

Er hat einfach alles was ein Mädchen sich wünschen kann: den durchtrainierten Körper, das schöne Gesicht, das wahrscheinlich auch im Alter noch gut aussehen wird, Geld, und dann noch das gewisse Etwas. (S. 154)

Mit viel Wohlwollen könnte man „das gewisse Etwas“ als seine Persönlichkeit auslegen. Da Reed in der Szene allerdings sein bestes Stück in der Hand hält, habe ich ja eine andere Vermutung, wovon sie da spricht.

Ellas Oberflächlichkeit kennt einfach keine Grenzen. An einer Stelle erzählt sie von ihren bisher schönsten Erlebnissen und unter den Top-Ereignissen ist die Fahrt mit ihrem nagelneuen Cabrio und ihr erster Blowjob. Sie hat vielleicht viel Mist erlebt, aber ich denke es würden sich noch schönere Erlebnisse finden lassen, wenn man mal nachdenkt. Tut sie wohl eher selten. Das verleitet sie wohl auch zu Aussagen wie der folgenden:

„Aladin vielleicht, weil ich immer auf deinem fliegenden Teppich reiten darf?“ Ich wackle mit den Augenbrauen. Reed prustet vor Lachen. „Wow, du unterstellst also auch meinem Schwanz Zauberkräfte?“ (S. 253)

Diese Szene ist einfach nur zum Schämen schlecht. (Nachtrag: Wann immer ich auf meinem Blog über diesen Beitrag stolpere, schüttelt es mich wieder bei diesem Zitat)

Mein Fazit

Alles in allem fällt Paper Princess bei mir ganz klar durch. Die Handlung ist schlecht, der Schreibstil sticht nicht besonders hervor und die Figuren sind eindimensional, oberflächlich und dauer-geil. Das muss ich mir nicht antun. Aber das Cover ist schön. Um noch etwas positives zu sagen.

 

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Huhu liebe Lisa,

haha vielen Dank für diese ehrliche Rezension. Das Buch ist ja wahnsinnig umstritten und immer wieder überlege ich, ob ich es nicht doch noch lese, einfach damit ich weiß, wovon jeder genau redet und wies mir ergeht (wobei ich stark ahne, dass mein Ergebnis stark wie deines ausfallen würde^^). Alleine die Zitate sind schon augenrollmäßig argh. glg Franzi

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