LOADING

Type to search

„Reasons to Stay Alive“ von Matt Haig

Unverhofft kommt oft – Diese abgedroschene Redewendung beschreibt sehr gut mein Zusammenkommen mit Matt Haigs Roman Reasons to Stay Alive (dt. Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben). Seit ich Matt Haig auf Twitter folge, habe ich bei jedem Tweet von ihm ein stetes Kaufbedürfnis. Seine Tweets sind intelligent, durchdacht und thematisieren häufig wichtige, wenig beachtete Probleme der Gesellschaft, wie zum Beispiel die gesellschaftliche Vorstellung von Männlichkeit oder mentale Gesundheit. Als ich dann bei Instagram in der Story von Tina @killmonotony sah, dass sie das Buch abgibt, musste ich es unbedingt haben, und so gelangte es in meinen Besitz. Jetzt möchte ich meine Meinung zu dem Buch mit euch teilen.

Zwischen den Genres

Matt Haig schreibt einen interessanten Genremix. Er beschreibt seine Erfahrung mit Depressionen, er untermalt das Ganze mit Fakten und Studien zu dem Thema. Außerdem erzählt er einige Anekdoten aus seinem Leben und gibt zahlreiche Tipps, wie man sein Leben bewusster gestalten kann. Also siedelt sich der Roman irgendwo zwischen Autobiografie, Sachbuch und Ratgeber an.

Ein ernstes Thema

Thirteen years ago I knew this couldn’t happen. I was going to die, you see. Or go mad. There was no way I would still be here.

Natürlich ist die grundlegende Thematik des Romans sehr ernst. Das Buch beginnt auch so – mit der Erzählung Haigs von seinem Beinahe-Selbstmord. Von diesem Tiefpunkt ausgehend baut Haig nach und nach verschiedene Gründe auf, am Leben zu bleiben. Die vielen Fakten zum Thema Depressionen fand ich sehr nützlich und sie geben dem Buch auch einen gewissen wissenschaftlichen Rahmen, ohne dass es zu kompliziert wird.

Die persönliche Erfahrung von Matt Haig mit Depressionen ist faszinierend. Es ist bewundernswert, wie offen er seine Gefühle mit den Lesern teilt und dadurch bekommt man ein besseres Verständnis von Depressionen, auch wenn man selbst keine Berührungspunkte damit hat. Und von Haigs guten Gründen am Leben zu bleiben können wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Matt Haig schafft es in seinem Roman, dass wir uns mit unserer eigenen Existenz auseinandersetzen und einige Gewohnheiten und Lebensweisen nochmal gründlich hinterfragen.

Kurzweilig und gut für unterwegs

Das Buch liest sich wirklich schnell und durch die kurzen Kapitel kann man es toll unterwegs lesen. Jedes Kapitel widmet sich einem bestimmten Thema und man verliert beim Lesen nicht den Anschluss. Besonders gut haben mir die „besonderen“ Kapitel gefallen. Es gibt zum Beispiel mehrere, in denen Matt Haig ein fiktionales Gespräch mit seinem jüngeren Ich führt. Oder eines, in dem Haig unter #reasonstostayalive die Gründe am Leben zu bleiben sammelt, die ihm seine Follower geschickt haben. Diese kurzen Besonderheiten versüßen wirklich das Lesen.

Zu persönlich?

Ich habe beim Lesen deutlich gespürt, wie wichtig Matt Haig das Thema mentale Gesundheit ist. Ich stimme ihm in jedem Fall zu, dass wir heutzutage deutlichen Verbesserungsbedarf haben, was den Umgang damit angeht. Allerdings finde ich, dass es in dem Buch manchmal an Abstraktion mangelt. Sicher ist seine Erfahrung nur eine unter vielen unterschiedlichen Erlebnissen von Menschen mit Depression und ich finde, dass Haig da manchmal nicht deutlich genug abstrahiert.

Matt Haig legt viel Wert darauf, den Leserinnen und Lesern Tipps mitzugeben, wie sie ihr Leben bewusster gestalten können und er führt viele Dinge an, die ihm bei seiner Depression geholfen haben. Allerdings fand ich ihn manchmal etwas streng im Umgang mit nicht-depressiven Menschen. Ich fühlte mich an einigen Stellen, als würde Matt Haig mich eher belehren, als mir etwas zu erzählen.

Mein Lieblingszitat

People place so much value on thought, but feeling is as essential. I want to read books that make me laugh and cry and fear and hope and punch the air in triumph. I want a book to hug me or grab me by the scruff of my neck.

Mein Fazit: Hoffnungsvoll

Wer vor einem Buch über Depressionen aufgrund der ernsten Thematik zurückschreckt, braucht sich bei Reasons to Stay Alive keine Sorgen zu machen. Matt Haig hat keinesfalls einen traurigen Roman geschrieben. Vielmehr macht er eher Hoffnung, dass depressive Episoden vorbeigehen, und dafür ist er wohl ein sehr gutes Beispiel. Das Buch macht ihn als Mensch sehr sympathisch und bestätigt meinen Eindruck von ihm auf Twitter. Mentale Gesundheit ist sein Steckenpferd und er möchte uns dazu anregen, darüber zu nachzudenken und uns auszutauschen.

Reasons to Stay Alive | Matt Haig | Canongate | 2015 | 265 Seiten | Hardcover

Auf deutsch ist das Buch 2016 bei dtv unter dem Titel Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben erschienen.

Tags:
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
%d Bloggern gefällt das: