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„Sommerfrauen Winterfrauen“ von Chris Kraus

Diese Buch landete durch Zufall in meinem Bücherregal. Bei einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Diogenes-Verlags auf der Litblogcon wurde mir das Buch so wärmstens empfohlen, dass ich einfach nicht anders konnte als es mitzunehmen. Und wenn ein Diogenes-Buch bei mir einzieht, muss es natürlich auch gelesen werden. Das habe ich bisher selten bereut und so war auch Sommerfrauen Winterfrauen wieder ein großes Lesevergnügen.

New York, New York

Was Menschen einander zufügen, interessiert mich am wenigsten in New York. Man lebt in einer Arterie von vielen Kilometern Durchmesser, durch die Blut, Müll, Erinnerung und Scheiße fließt.

In New York muss Regiestudent Jonas Rosen einen Film über Sex drehen. Dafür hat er einen Monat Zeit, muss sich um die anderen Regiestudenten kümmern und haust in der Bruchbude eines exzentrischen Möchtegern-Promis. Als er Nele aus dem Goethe-Institut kennenlernt fängt alles an aus dem Ruder zu laufen und Jonas muss sich nach und nach der Vergangenheit seiner Familie stellen.

Das Buch ist aufgebaut wie ein Tagebuch und umfasst den Monat in dem Jonas versucht seinen Film zu drehen. Das vorangestellte erste Kapitel mit dem Namen „Pumas Vorwort“ ist von der fiktiven Puma Rosen, Jonas Rosens Tochter, verfasst und beschreibt Jonas Rosen als erwachsensen Mann, bevor er unglücklich bei einem Wanderunfall ums Leben kam. Im Nachlass erhält Puma seine Tagebücher, die sie 2018 veröffentlicht.

Buchrücken Sommerfrauen Winterfrauen Buch

Über Chris Kraus

Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, kam sie mir sehr real vor, was nicht zuletzt sich daran liegt, dass Chris Kraus weiß wovon er schreibt. Neben dem Autorendasein ist er Regisseur und so manches Element im Buch deutet darauf hin, dass er ein paar echte Erfahrungen eingesponnen hat. Zum Beispiel arbeitete Kraus für den Autor und Regisseur Rosa von Praunheim, dem das Buch gewidmet ist und der Namenstechnisch sehr an Jonas Rosens Professor Lila von Dornbusch erinnert.

Besonders gut hat mir die Komik gefallen, die dem ganzen Roman zugrunde liegt. Der Erzählton ist in höchstem Maße ironisch und teilweise sehr überspitzt und das fand ich richtig erfrischend. In diesem Zusammenhang kommt das ernste Thema des Nationalsozialismus besonder gut rüber, denn es holt die Leser wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.

Eine Leseempfehlung

Ganz klar: Das Buch müsst ihr lesen. Für mich ist es eines meiner Jahreshighlights. Es ist kein Buch bei dem man mitfiebert oder unbedingt das Ende wissen möchte. Es ist einfach während des Lesens sehr unterhaltsam, sympathisch und authentisch. Neben guter Unterhaltung bietet es aber auch Stoff zum Nachdenken und bei all dem komischen Zeug, das Jonas widerfährt, kann man immer auch ein wenig Gesellschaftskritik darin mitlesen. Und ganz wichtig natürlich: Das Rätsel um die Sommer- und Winterfrauen wird geklärt!

„Mein Gott, wer bist du, Jane Austen?“, beschimpfte mich Lila. „Jedes gute Kunstwerk hat mit Sex zu tun. Und jeder gute Sex ist ein Kunstwerk. Das ist alles! Darüber mach deinen Film! Deshalb schick ich dich nach Amerika!“

Sommerfrauen Winterfrauen | Chris Kraus | Diogenes | 29.08.2018 | 416 Seiten | 24,00€ (D) | Hardcover

 

 

 

 

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