Willkommen zu meinem ersten Leseupdate des Buches Stone Mattress von Margaret Atwood. In meinem Kennst-du-schon-Beitrag habe ich bereits meinen Plan vorgestellt, euch diesen Monat Margaret Atwood näher zu bringen. In diesem Zuge habe ich zum Monatsstart mit der Kurzgeschichtensammlung Stone Mattress begonnen. Heute möchte ich euch das Buch vorstellen und die erste Geschichte daraus präsentieren. An den folgenden Mittwochen werde ich dann meinen Lesefortschritt mit euch teilen und so lernt ihr nach und nach alle neun Geschichten aus Stone Mattress kennen.

Stone Mattress – nine wicked tales erschien 2014 auf Englisch. Auf Deutsch erschien es 2016 im Piper Verlag unter dem Titel Die Steinerne Matratze – Erzählungen. Die neun Geschichten darin sind mysthisch und fantastisch, deshalb bezeichnete Atwood sie als „Tales“ und nicht als „Short Stories“. In der deutschen Titelübersetzung ist leider das Wort „wicked“ verloren gegangen. „Wicked“ bedeutet böse, böshaft oder auch verrucht und hinterhältig. Ich bin gespannt, welche Art von wickedness auf die Geschichtensammlung zutreffen wird.

„Alphainland“

„Alphainland“ ist der Titel der ersten Geschichte. Die Beschreibung auf dem Buchrücken lautet:

A recently widowed fantasy writer is guided through a stormy winter evening by the voice of her late husband.

Das faszinierende Element in Atwoods Werken ist der Umgang mit Erinnerung und Verfall. Constance ist schon alt, ihr Ehemann Ewan ist kürzlich verstorben und ihr Kinder und Enkel halten sie eher für verrückt. Doch so war es nicht schon immer gewesen. Sie erinnert sich an die Zeit, als sie jung war, sie denkt über eine vergangene Beziehung, vor ihrer Ehe, nach, an die Zeit als sie noch keinen Erfolg mit Alphainland hatte.

Rückzug in die eigene Fantasie

Alphainland ist eine Fantasywelt, in die Constance sich zurückzieht. Sie ist sehr ausgearbeitet und Constance schreibt über diese Welt mit großem Erfolg. Ewan hat jedoch scheinbar keinen Zugang zu dieser Welt, die Welt gehört Constance und ist allein ihr Rückzugsort.

Alphainland was hers alone. It was her refuge, it was her stronghold; it was where she could go when things with Gavin weren’t working out. She could walk in spirit through the invisible portal and wander through the darkling forests and over the shimmering fields, making alliances and defeating enemies, and no one else could come in…

S. 26

Zu Beginn des Lesens war ich ein wenig verwirrt. Wie so üblich bei Kurzgeschichten geht es direkt in medias res und es wird keine Zeit für unnötige Erläuterungen verschwendet. Erst nach und nach ging mir auf, dass Ewan nicht mehr lebt. Constance spricht noch mit ihm und sie hat auch den Eindruck, dass er ihr antwortet.

Eigene Lesevorstellungen überwinden

Ein anderes Problem was ich häufig bei Kurzgeschichten habe, ist dass ich zu sehr von mir selbst ausgehe. Ich habe mehrere Seiten gebraucht um zu bemerken, dass Constance eine ältere Frau ist, weil ich meist erst mal davon ausgehe, dass Protagonisten weiblich, weiß und zwischen zwanzig und dreißig sind, im Zweifel auch rothaarig – eben ganz so wie ich. In Romanen passiert mir das selten, da dort mehr Zeit auf Äußerlichkeiten aufgewandt wird und da häufig der Buchrücken schon eine Orientierung gibt. Bei Kurzgeschichten lese ich meist einfach los, ohne vorher viel vom Inhalt zu wissen.

The beauty is an illusion, and also a warning: there’s a dark side to beauty, as with poisonous butterflies.

S.1

„Alphainland“ ließ sich aber sehr gut lesen. Ich bin direkt in Atwoods schönen Stil abgetaucht und habe mich wieder mal in ihre Sprache verliebt. Ich bin sehr gespannt auf die Geschichten, die in Stone Mattress noch folgen und ich werde euch nächste Woche die nächsten zwei bis drei Geschichten vorstellen. Ich freue mich, wenn ihr wieder reinschaut.

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