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„Töchter“ von Lucy Fricke

Töchter war seit längerem mal wieder ein echtes Wunschbuch auf das ich mich sehr gefreut habe. Auf Instagram habe ich sehr viel darüber gelesen und es ist mir wirklich häufig empfohlen worden. Deshalb habe ich es mir letzten Monat gekauft und nachdem ich erst mal angefangen hatte, habe ich es auch sehr schnell durchgelesen.

Banner mit Buchcover Töchter und drei PflanzenZum Inhalt von Töchter

Martha und Betty sind um die vierzig und machen sich mit Kurt, dem sterbenden Vater von Martha, auf den Weg in die Schweiz, wo er seinen Tod geplant hat. Allerdings kommt es anders und die drei machen sich in Kurts altem Wagen auf nach Italien, von wo aus sie weiter bis nach Griechenland fahren. Es ist eine Geschichte über Väter und ihre Töchter, über komplizierte Beziehungen und darüber wie man im Erwachsenenalter mit dem Verlassenwerden umgeht.

Der Roadtrip ihres Lebens

„Was soll das eigentlich werden?“ fragte ich. „Thelma und Louise?“ „Die waren jung, sexy und unterdrückt“, sagte Martha. „Guck uns an, wir sind nicht mal unterdrückt.“ „Tschick?“, probierte ich weiter. „Das waren Jungs. Wir sind Frauen kurz vor den Wechseljahren. Ich hoffe, dass willst du nicht vergleichen.“

Wo soll man nur anfangen bei so einem Roman. Als ich das Buch in die Hand genommen habe, wusste ich nicht auf welchen wahnwitzigen Roadtrip ich mich da einlasse. Ich war erst etwas skeptisch, als ich gelesen habe, dass die beiden Freundinnen schon um die Vierzig sind, weil ich keine Lust hatte auf ein Buch mit zwei verzweifelten, gelangweilten Hausfrauen, die noch einmal ein Abenteuer erleben wollen. Zum Glück ist Töchter so ganz anders und Betty und Martha ebenfalls.

Betty ist Autorin, die sich mehr oder weniger vor dem Leben versteckt. Sie lebt in Berlin und wenn sie Geld braucht vermietet sie ihre Wohnung an Partytouristen. Ihre Mutter ist anstrengend und Väter hat sie viele gehabt, doch einer hat sie besonders geprägt: ihr Stiefvater Ernesto, dessen Grabstein sie in Italien besuchen möchte.

Martha ist verheiratet und versucht schon sehr lange schwanger zu werden, was aber nicht klappt. Seit einem Autounfall mit Freunden, setzt sie sich nicht mehr ans Steuer, weshalb sie Betty bitten muss, sie und ihren Vater Kurt in die Schweiz zu fahren. Kurt war ein miserabler Vater und erst jetzt im Alter haben sie tatsächlich Kontakt.

Wann immer eindeutig war, dass niemand konnte, sich niemand traute, musste es einen geben, der es sagte: „Dann wollen wir mal.“ Mit diesem Satz ging man los, um sich das Leben zu ruinieren.

Diese zwei spannenden Charaktere machen sich gemeinsam mit Kurt auf den Weg zu einem verrückten Roadtrip, der sie statt in die Schweiz letztlich nach Italien und Griechenland verschlägt. Der Roman steckt voller intelligenter Zitate und zynischer Kommentare der Frauen. Aber niemals ist es zu überspitzt oder zu gemein. Es ist intelligent, witzig und manchmal leicht depressiv, aber insgesamt eine sehr gute Mischung.

Die Beziehung zu den Vätern

Väter spielen in dem Roman eine wichtige Rolle. Martha und Betty leiden beide unter der Abwesenheit ihrer Väter in der Kindheit und auch die Mütter scheinen das Verlassen-worden-sein nie ganz überwunden zu haben. Während Martha ihren Vater durch die Gegend fahren und sein Verhalten tolerieren muss, weil er ja stirbt und man einem Sterbenden unmöglich etwas abschlagen kann, ist Betty auf der Suche nach der letzten Ruhestätte ihres Lieblingsstiefvaters, der sich einfach nicht mehr bei ihr gemeldet hat, nachdem er ihre Mutter verlassen hatte. Bei der Suche deckt sie Ernestos Geheimnisse auf, undihr stellt sich die Frage, ob sie wirklich alles wissen möchte, was ihr als Kind verborgen geblieben ist.

Einfach nur Leben

Mir hat besonders gut gefallen, dass das Buch bei allem Zynismus irgendwie lebensfroh ist. Obwohl Kurt dem Tod schon nah ist, erlebt er noch ein letztes Abenteuer. Martha und Betty brechen aus ihren alten Leben aus und Leben einfach in den Tag hinein. Während ihrer Reise gibt es kaum Bezüge zum Rest ihres Lebens. Sie reden ein wenig über Männer und Babys, aber eigentlich geht es vor allem um gute Gespräche und witzige Ereignisse, die man eben nur erleben kann, wenn man einfach in ein Auto steigt und losfährt.

Buch Töchter von der Seite fotografiert

Das Buch hat alles was ein guter Roadtrip braucht und sorgt für gute und witzige Lesestunden. In Töchter thematisiert Lucy Fricke komplizierte Vater-Tochter Beziehungen und ich fand es spannend, dass man das aus der Perspektive zweier Frauen im mittleren Alter miterlebt. 

Töchter | Lucy Fricke | Rowohlt | 20.02.2018 | 337 Seiten | 20,00€ | Hardcover |

 

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