Kurzgeschichten sind nicht jedermanns Sache und häufig erfahren sie nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Umso größer war 2013 die Überraschung als der Literatur Nobelpreis zum ersten Mal an eine Autorin ging, die ausschließlich Kurzgeschichten verfasst hat, nämlich Alice Munro. Neben der Meisterin der Kurzgeschichten gibt es aber immer mal wieder andere Autor_innen, die sich mit Kurzgeschichten hervortun. So nun auch Kristen Roupenian mit ihrer Kurzgeschichte „Cat Person“.

Auf der Website des New Yorker könnt ihr die Kurzgeschichte „Cat Person“ kostenlos, allerdings auf Englisch, nachlesen.

Durch die große Aufmerksamkeit für „Cat Person“ haben viele auch mit Spannung Kristen Roupenians erste Kurzgeschichtensammlung Cat Person Storys erwartet. Diese Sammlung ist quasi ihr Debüt und ich musste natürlich unbedingt wissen, ob die ganze Aufregung um die 38-jährige amerikanische Autorin gerechtfertigt ist.

Abwechslung in zwölf Geschichten

Mit großen Erwartungen bin ich an die erste Geschichte „Böser Junge“ rangegangen und wurde direkt etwas vor den Kopf gestoßen. Gerade die erste Geschichte erscheint mir auch im Nachhinein noch sehr bizarr und unangenehm. Ich hatte das Gefühl zu tief in die Geschichte vorzudringen und viel mehr zu erfahren, als mir eigentlich lieb war. Danach brauchte ich erst mal eine kleine Lesepause.

Wir rasteten komplett aus. Wir drehten am Rad. Wir rannten in der Wohnung herum und zertrümmerten Gläser, wir schrien, was zum Teufel denkt der sich eigentlich, fuck, das kann er nicht mit uns machen. Wir fanden nicht mehr in unser altes Leben zurück, wir zwei, mit harmlosem Blümchensex in unserem Schlafzimmer, bei dem uns niemand zusah, niemand, an dem wir zerren und reißen konnten, außer uns selbst.

aus „Böser Junge“, S. 21

Aber die Geschichten sind alle ganz unterschiedlich. Es gibt Paare, Singles, Kinder, Freundinnen. Manche Geschichten waren sehr verstörend, andere sehr erhellend. Es ist schwer eine einheitliche Bewertung für einen Kurzgeschichtenband zu vergeben, da die einzelnen Geschichten sich nur schwer vergleichen lassen.

Gemeinsames

Dennoch lassen sich auch Gemeinsamkeiten feststellen. Kristen Roupenian beschäftigt sich vor allem mit menschlichen Beziehungen. Zwischenmenschliches wird sichtbar gemacht oder zwischen den Zeilen mitgeteilt. Sie lässt uns über unsere Zeit nachdenken und zeigt, wie menschliche Beziehungen der Neuzeit aussehen können. In vielen ihrer Geschichten habe ich Bekanntes entdeckt, das Kristen Roupenian in ein neues Licht rückt und das ich dadurch erst bewusst wahrgenommen habe.

Cover des Buches Cat Person Storys. Rot mit schwarzen Streifen.

Dabei ist mir besonders die Geschichte „Cat Person“ im Gedächtnis geblieben. Aber auch aus anderen Geschichten, wie zum Beispiel „Der Spiegel, der Eimer und der alte Knochen“, „Look at your Game, Girl“ und „Die Beißerin“ habe ich etwas mitnehmen können. Wie bei vielen Kurzgeschichtensammlungen gab es aber auch Geschichten, die mir zu bizarr waren und deren Ende mich eher ratlos zurückgelassen hat.

Sie sperrte den Mund auf wie ein Lurchfisch und stürzte sich auf Coreys Wangenknochen, der unter ihren Zähnen spektakulär knirschte. Der Biss war genau so, wie sie es sich erträumt hatte.

aus „Die Beißerin“, S. 279

Lesen und mitreden

Es lohnt sich die Kurzgeschichten zu lesen und mitzureden. Der Austausch über die einzelnen Geschichten gibt viel her und Kristen Roupenian lädt uns ein, uns mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und mit menschlichen Beziehungen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Sie möchte uns verstören und trotzdem an die Geschichten fesseln und das gelingt ihr meisterhaft. Lies das Buch und du kannst dir dein eigenes Bild der Sammlung machen. Ich bin gespannt, welche deine Lieblingsgeschichte ist.

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Der englische Titel der Sammlung ist You Know You Want This und ich finde er wird den Geschichten viel eher gerecht, als Cat Person Storys. In einigen Geschichten geht es um Übergriffigkeit, darum, dass Menschen manchmal Dinge tun, die nicht gut für sie sind, obwohl sie es eigentlich besser wüssten. Es geht darum, dass wir uns manchmal zu Dingen drängen lassen, weil wir nicht unhöflich sein wollen oder nicht wissen, wie wir ‚Nein‘ sagen sollen. Der englische Titel greift das sehr gut auf, während der deutsche Titel das leider nicht hergibt.

Weitere Bloggerstimmen zu Cat Person Storys findet ihr bei der lieben Silke auf Bearnerdettes Welt, bei Moni auf Buch und Wort und bei Lara im Micropolis Magazin.

Cat Person Storys | Kristen Roupenian | Aufbau Verlag | 2019 | 288 Seiten | 20,00€ (D) | Hardcover | übersetzt von Nella Beljan und Friederike Schilbach

3 Comments

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  2. Ich muss dieses Buch unbedingt lesen. Ich habe soviel von diesem Buch gehört und finde, dass die Geschichten unglaublich spannend klingen.

    Zeilentänzerin

    • Lisa Reply

      Ja, ich kann es sehr empfehlen 🙂 Und so Kurzgeschichten lesen sich auch einfach sehr schnell.
      Liebe Grüße!

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