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„Unorthodox“ von Deborah Feldman

Ein Buch wie Unorthodox habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Es ist die reale Geschichte von Deborah Feldman, die davon erzählt wie es ist in einer strenggläubigen, jüdischen Gemeinde in Williamsburg aufzuwachsen und wie man es schaffen kann, von dort zu entkommen.

Das plötzliche Gefühl einer friedlichen Auflösung überkommt mich, die altüberlieferte Offenbarung, die angeblich eintritt, wenn jemandes Buße angenommen wurde. Ich weiß instinktiv, dass ich nicht so hilflos bin, wie einige es sich wünschen, dass ich es von mir selbst denke. In der Unterredung zwischen Gott und mir bin ich nicht unbedingt machtlos. (S. 158)

Wie ein eigener Planet

Von Deborah Feldmans Buch bin ich total begeistert. Sie schreibt aus der Perspektive ihres Ichs in jungen Jahren und berichtet chronologisch von der Zeit ihres Aufwachsens. Die jüdische Gemeinde, zu der ihre Großeltern gehören, ist strenggläubig und wirkte auf mich wie ein eigener Kosmos. Schon das Leben der jungen Leute der Gemeinde wird vom Glauben bestimmt und es gibt vor allem viele Verbote, zum Beispiel, dass keine nicht jüdischen Bücher gelesen werden dürfen. Außerdem ist die Muttersprache der Menschen in der Gemeinde Jiddisch, sodass es ihnen besonders schwer fällt, Kontakte zur Außenwelt zu knüpfen.

Die Art und Weise, in der Doborah Feldman die Geschichte erzählt, ist sehr interessant. Da es sich um ihre eigene Lebensgeschichte handelt, gibt sie sehr viele persönliche Eindrücke in ihr Gefühlsleben. Gleichzeitig schreibt sie aber retrospektiv, sodass sie viele Dinge ganz anders bewerten kann, als es ihr als Kind möglich gewesen wäre und sie beschreibt sehr eindrücklich, wie ihr Leben damals von der Religion bestimmt wurde – einfach aus dem Grund, dass sie gar nichts anderes kannte.

In Unorthodox geht sie mit ihrer Gemeinde und ihrer Familie hart ins Gericht. Im Nachwort äußert sie sich noch dazu, welche Auswirkungen ihr Austritt und die Veröffentlichung des Buches für ihr weiteres Leben hatten. Das macht es noch beeindruckender, weil es zeigt, wie viel Deborah Feldman opfern musste, um ihr altes Leben hinter sich zu lassen.

Ich war so beeindruckt davon, wie man es schaffen kann, sich dieser Gehirnwäsche zu widersetzen, dass ich auch über ein paar kleinere Störfaktoren beim Lesen hinwegsehen konnte. Manchmal fand ich die Geschichte etwas neutral beschrieben, es kam nicht so viel Gefühl bei mir an. Gleichzeitig ist es natürlich verständlich, wenn Deborah Feldman ein gewisses Maß an Distanz zu ihrer eigenen Geschichte wahren möchte. Außerdem fand ich es schade, dass im Buch nicht daraufhingewiesen wird, dass es am Ende ein Glossar mit allen jüdischen Begriffen gibt – ich war da nämlich beim Lesen manchmal ratlos, weil ich nicht wusste, was das alles bedeutet. Also wenn du es liest, beachte hinten das Glossar.

Mein Fazit zu Unorthodox

Das Buch ist große Klasse. Die Handlung ist häufig so unglaublich, dass es mir wie Fiktion vorkam. Der Schreibstil war manchmal etwas neutral, hat aber sehr gut rübergebracht, wie das Leben in einer strenggläubigen jüdischen Gemeinde für ein junges Mädchen sein muss. Ich kann dir das Buch sehr empfehlen, um Einblicke in eine faszinierende und schockierende Welt zu bekommen. Und das ist ziemlich einmalig, denn die wenigsten schaffen, was Deborah Feldman geschafft hat: aus diesem Teufelskreis auszubrechen und dann auch noch offen und ehrlich darüber zu schreiben. Feldman hat dafür einige Risiken auf sich genommen und es ist toll, dass sie die Leser an ihrer Geschichte teilhaben lässt.

Unorthodox | Deborah Feldman | btb | übersetzt durch Christian Ruzicska | 19.06.2017 | 382 Seiten | 10€ (D) | Taschenbuch |
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Hallo Lisa,
das Buch klingt wahnsinnig interessant und ist nach deiner tollen Besprechung gleich auf meine Wunschliste gewandert.
Liebe #litnetzwerk Grüße
Julian

Hallo Lisa!

Ich bin auch ein großer Fan von „Unorthodox“ und von Deborah Feldman, die ich schon live erlebt habe. Ihr neues Buch „Überbitten“ steht auch schon bei mir, aber an dieses dicke Buch habe ich mich noch nicht herangewagt. Dafür brauche ich einfach Zeit. Es ist echt Wahnsinn, was diese Frau geschafft hat, um frei zu sein und sich selbst zu verwirklichen.

Viele Grüße, Ramona (#litnetzwerk)

Wie oft ich dieses Buch schon in Händen hatte, aber es dann doch wieder zurückgelegt habe … Irgendwie fehlt immer der letzte Funke.
Hast du ihr neues Buch „Überbitten“ gelesen?

Das klingt super interessant. Ich habe vor kurzem erst ein Buch über ein Mädchen aus einer strengen Mormonen-Familie gelesen („Befreit“) und fand es zugleich schockierend und beeindruckend und dieses hier klingt ziemlich ähnlich. Und danke für den Hinweis mit dem Glossar! Ich finde es auch immer blöd, wenn man das erst nach dem Lesen entdeckt.

Das klingt total interessant, inbesondere da ich kein anderes Buch zu diesem Thema kenne. Da eröffnen sich einem sicher ganz neue Perspektiven.

Grüsse
Silke

Liebe Lisa,
ich lese es auch gerade und bin sehr begeistert. Schön, dass Du es vorgestellt hast!
Liebe Grüße
Isabel

Liebe Lisa,
»Unorthodox« sagte mir bisher gar nichts, aber ich bin froh, dass du es auf deinem Blog vorgestellt hast. Bücher dieser Art fesseln mich auch jedes Mal extrem und ich finde es unglaublich spannend, wie unterschiedlich die Leben der Menschen sein können. Das Buch merke ich mir auf jeden Fall!
Alles Liebe,
Janika

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