Das wundervolle Beitragsbild habe ich von der lieben Bonny @duchess_of_marvellous-books von Instagram bekommen.

Was haben Bienen mit dem zweiten Weltkrieg zu tun? Wenn du dich das jetzt fragst, kennst du den Roman Winterbienen von Norbert Scheuer noch nicht. Ich habe den für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman gelesen und möchte dich hier an meinem Leseeindruck teilhaben lassen.

Egidius, der Bienenflüsterer

Egidius Arimond hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen: Er hat auch ein ungewöhnliches Hobby. Er ist Bienenzüchter mit Leidenschaft. Seine Leidenschaft geht so weit, dass er akribisch Tagebuch führt und festhält, wie es seinen Bienen geht und was er zu tun hat. Und dieses Tagebuch lesen wir. Natürlich werden die biologischen Aspekte mit Privatem und Historischem ausgeschmückt.

[…] vielleicht besitze ich die Bienen gar nicht, sondern sie besitzen mich; vielleicht sind wir alle, auch die Bienen, Teil eines geheimnisvollen und erbarmungslosen unsterblichen Organismus.

S. 23 (Ebookversion)

Egidius lebt während des zweiten Weltkriegs. Wegen starker Epilepsie wurde er nicht nur ausgemustert, sondern er wird auch geächtet. Daher wird es im Verlauf des Romans immer schwieriger für ihn an Medikamente zu kommen und seine Krankheit verschlimmert sich. So spitzt sich die Handlung immer weiter zu.

Kriegsgeschehen mal anders erzählt

Und auch ein anderer Handlungsstrang gewinnt an Spannung: Egidius hilft Juden in seinen Bienenstöcken über die Grenze. Das ist ein enormes Risiko für ihn und wird mit Fortschreiten des Krieges auch immer gefährlicher. Daher scheint es nur eine Frage der Zeit, bis er dadurch ernste Schwierigkeiten bekommt.

Es mangelt dem Roman auch nicht an zwischenmenschlicher Beziehung. Obwohl Egidius Leben recht einsam zu sein scheint, hat er Beziehungen zu gleich mehreren Frauen im Ort. Als einziger junger Mann im Dorf ist er sehr begehrt. Doch auch vor ihnen muss er aufpassen, seine Krankheit und seine illegalen Aktivitäten geheim zu halten.

Eine liebevolle Beziehung zu den Winterbienen

Insgesamt hatte ich das Gefühl nur bei seinen Beinen fühlt sich Egidius wirklich wohl. Er tut ist gewissenhaft und leidenschaftlich mit ihnen. Um niemanden sonst kümmert er sich so liebevoll wie um sie. Gleichzeitig ist er aber auch nicht zimperlich, die Drohnen zu töten, wenn es für das Volk nötig ist.

Besonders spannend ist Scheuers Verstrickung aus dem Leben der Bienen und den Geschehnissen des zweiten Weltkriegs. Je weiter der Krieg voranschreitet, desto mehr scheinen die Bienen zu leiden und desto schlechter geht es auch Egidius. Die Bienen sind eine Art Spiegel für das gesellschaftliche Befinden und so steigert sich die Spannung im Roman besonders zum Ende hin.

Die Winterbienen werden bald sterben, sie sehen erbärmlich aus. Nach den langen, frostigen Monaten ist ihre ganze Lebenskraft verbraucht; geschunden von der Arbeit im Dienst für ihr Volk, sind ihre kleinen Leiber ganz kahl geworden, die Flügel abgenutzt und eingeknickt.

S. 71 (Ebookversion)

Winterbienen stand absolut zu Recht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Auch wenn ich zu Beginn noch etwas skeptisch war, da Scheuers Schreibstil sehr teilnahmslos wirkte, konnte mich der Roman durch seine Progression noch von sich überzeugen.

Besonders die vielen Informationen über die Bienenvölker fand ich spannend und aufschlussreich. Auf die Weise hat Scheuer einen Kriegsroman geschrieben, der ganz anders ist und so eine interessante Perspektive auf den Krieg ermöglicht, die sich mir so bisher noch nicht erschlossen hatte.

Vielen Dank an Netgalley und C.H. Beck für das Rezensionsexemplar.

Winterbienen | Norbert Scheuer | C.H. Beck | Juli 2019 | 319 Seiten | 22,00€ (D) | Hardcover

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