“There is more than one kind of freedom,“ said Aunt Lydia. „Freedom to and freedom from. In the days of anarchy, it was freedom to. Now you are being given freedom from. Don’t underrate it.”

Margaret Atwood in The Handmaid’s Tale zum Thema freiheit

Eine Sache, die ich an Atwoods Romanen sehr schätze, ist ihre Fähigkeit in prägnanten Sätzen, mit wirklich wenigen Worten so viel Tiefgründigkeit rüberzubringen, dass man die Sätze einfach wirklich auseinandernehmen muss.

Ein solcher Satz ist dieses Zitat aus Der Report der Magd. Auf Deutsch würde es etwa so lauten: „Es gibt mehr als eine Art Freiheit,“ sagte Tante Lydie. „Die Freiheit von und die Freiheit zu. In den Tagen der Anarchy gab es die Freiheit zu. Nun erhaltet ihr die Freiheit von. Unterschätzt das nicht.“ (eigene Übersetzung). Aber was soll das bedeutet?

Die ‚Freiheit von‚ bedeutet beschützt zu sein. In Der Report der Magd dürfen die Mägde nicht angefasst werden, sie dürfen auch kaum angeschaut werden, weshalb sie Hauben tragen, die ihre Blickrichtung einschränken. So können sie die anderen nicht ansehen und sind daher uninteressant. Frauen, die gebähren, werden beschützt und erhalten was sie brauchen, um sicher ein Baby austragen zu können. Klingt erstmal nicht schlecht. Aber sie zahlen dafür einen hohen Preis.

Es gibt nämlich eine Einschränkung dieser Freiheit. Was das Schwangerwerden oder das potentielle Baby gefährdet, wird nicht toleriert. Und was die Mägde nicht zum Gebähren brauchen, bekommen sie auch nicht. Und das wiederum beschränkt das Leben der Mädge enorm und beim Lesen des Romans Der Report der Magd stellt sich immer wieder ein beklemmendes Gefühl ein. Wir kommen nicht umhin, die Mädge für ihr Leben zu bemitleiden und uns auch um sie zu sorgen. Was ist also diese andere Freiheit von der im Zitat die Rede ist?

Freiheit ist Selbstbestimmung

Freiheit zu‘ bedeutet machen zu dürfen, was man möchte. Über ihr eigenes Leben entscheiden, auch mal falsche Entscheidungen treffen. In jedem Fall bedeutet es Selbstbestimmung. Frei sein, zu tun und zu lassen, was man möchte, ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft.

Natürlich gibt es Grenzen. Wir müssen uns im gesetzlichen Rahmen bewegen und dürfen andere nicht verletzen. Außerdem gibt es auch familiäre Grenzen, Dinge, die andere an uns nicht tolerieren, wo wir eingeschränkt werden. Man kann sicherlich die Frage stellen: Wann sind wir wirklich frei? Und was erzeugt in uns das Gefühl „frei“ zu sein und wann empfinde ich einen Zwang?

Allerdings bleibt bei mir von dem Zitat vor allem eine Frage zurück: Die Frage die wir uns hier stellen müssen, lautet wie viel ist die ‚Freiheit von‚ wert, ohne die ‚Freiheit zu‚? Denn nur wenn ich frei bin, mein Leben nach meinem Geschmack zu leben, kann ich es auch genießen.

Lies hier ein Gedicht von Margaret Atwood oder lies meine Rezension zu Der Report der Magd.

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